Wissenschaft & Forschung

Hessen als Innovations- und Forschungsstandort

LOEWE – Mehr als 1,5 Milliarden Euro für die Forschung

Hessen hat ein bundesweit einmaliges Programm zur Förderung wissenschaftlicher Forschung. Es heißt LOEWE (Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz) und ist zentrales Instrument der hessischen Forschungspolitik. LOEWE konzentriert sich nicht alleine auf die Hochschulen. Die Ausrichtung auf Grundlagenforschung ist häufig gekoppelt an einen starken Transferbezug in die Wirtschaft. LOEWE fördert sogenannte KMU-Verbundprojekte. Das sind Zusammenschlüsse von kleinen hessischen und mittleren Unternehmen (KMU) mit Wissenschaftseinrichtungen. Hier liegt der Fokus auf der Einführung marktfähiger und innovativer Produkte, Verfahren und Dienstleistungen.

Spatenstich Fraunhofer-Neubau
Spatenstich Fraunhofer-Neubau der Justus Liebig-Universität Gießen

Zu Besuch im Future Innovation Lab
Wissenschaftsminister Boris Rhein im Leap in Time Lab Darmstadt.

Seit seinem Start 2008 wurden in zehn themenoffenen Auswahlrunden bislang 13 LOEWE-Zentren, das sind Forschungsverbünde zwischen Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, und 49 LOEWE-Themenschwerpunkte zur Förderung ausgewählt. Die Forschungsvorhaben sind in den Geistes-, Rechts- und Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften angesiedelt und konzentrieren sich auf Themen mit großer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Relevanz. Hierzu zählen beispielsweise die Cybersicherheit, die Krebs- und Antibiotikaforschung, die Medikamentenentwicklung, die Sprachforschung, der Klimawandel sowie die moderne Finanzarchitektur.

An den LOEWE-Forschungsverbünden sind insgesamt sechs Universitäten, drei Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, eine forschungszentrierte Hochschule im Bereich des Wein- und Gartenbaus, eine Kunsthochschule sowie 23 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen beteiligt. Die Wissenschaftseinrichtungen in Hessen arbeiten interdisziplinär und standortübergreifend und bündeln somit zielgerichtet ihr wissenschaftliches Know-how.

Den bisher zur Förderung ausgewählten Zentren und Schwerpunkten wurden LOEWE-Projektmittel im Gesamtumfang von knapp 660 Millionen Euro für den Zeitraum 2008 bis 2021 bewilligt. Am stärksten profitieren die Universitäten (rund 403 Millionen Euro), gefolgt von den außeruniversitären Forschungseinrichtungen (knapp 230 Millionen Euro), den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (rund 20 Millionen Euro), der Hochschule besonderen Typs (Hochschule Geisenheim University, rund 4,3 Millionen Euro) sowie den Kunst- und Musikhochschulen (rund 1,8 Millionen Euro).

Mit Hilfe von LOEWE wurde eine hochmoderne Forschungsinfrastruktur etabliert. Hierzu zählen zahlreiche Forschungsgeräte und Baumaßnahmen. Im Zusammenhang mit LOEWE-Zentren wurden Mittel im Gesamtumfang von mehr als 58 Millionen Euro für die Realisierung von fünf Baumaßnahmen an den Standorten Frankfurt, Gießen und Darmstadt bewilligt.

Durch die Beteiligung von LOEWE-Projekten am Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) konnten seit Start des LOEWE-Programms bereits 25 Forschungsgroßgeräte mit einem Kostenvolumen von insgesamt rund 14 Millionen Euro für hessische Wissenschaftsinstitutionen beschafft werden. Die DFG bewilligte eine anteilige Finanzierung von insgesamt 8,1 Millionen Euro. Zu den Geräten zählt beispielsweise der Hochleistungsrechner CSC in Frankfurt, der zu den schnellsten Computern in Europa gehört und in einer Sekunde 600 Billionen Rechenoperationen schafft.

Durch LOEWE sind auch neue Forschungsabteilungen am Max-Planck-Institut für Herz-und Lungenforschung in Bad Nauheim sowie am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie in Marburg entstanden.

An den LOEWE-KMU-Verbundprojekten sind insgesamt 855 Partner aus Hochschulen, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), Forschungseinrichtungen sowie Vereinen und Gebietskörperschaften beteiligt. Besonders die fünf hessischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften sowie die Hochschule Geisenheim University profitieren von der Förderung. Bis Ende 2017 sind 266 Projekte mit ein bis dreijähriger Laufzeit bewilligt worden. Das Gesamtfinanzierungsvolumen dieser Projekte beträgt rund 138,1 Millionen Euro. Dabei werden rund 68,1 Millionen Euro LOEWE-Mittel mit rund 70 Millionen Euro der Wirtschaft kofinanziert. Die Forschungs- und Entwicklungsprojekte sind über alle hessischen Landkreise verteilt.

Cased Zentrum LOEWE, Darmstadt
Cased Zentrum LOEWE, Darmstadt - LOEWE-Schwerpunkte: Arbeitsumgebung der Zukunft

Die LOEWE-Verbundforschung ist branchenoffen und spiegelt aktuelle Trends in Technik, Wirtschaft und Gesellschaft wider. Die Themenstellungen reichen unter anderem von IT  und Datensicherheit über Elektromobilität, Erneuerbare Energien, Diagnostik, Robotik bis hin zu Präzisionsmesstechnik. Die Digitalisierung ist und bleibt ein zentrales Thema in allen Branchen, in denen Vernetzung stattfindet. In diesen Bereich haben bis Ende 2017 75 Projekte mit rund 19,6 Millionen Euro ihre Forschungs- und Entwicklungstätigkeit aufgenommen.

CRISP: Eine Koryphäe in der Cybersicherheit

In Darmstadt ist 2016 aus einem Forschungsverbund des „LOEWE-Programms“ das bundesweit größte, international anerkannte Kompetenzzentrum für Cybersicherheit und Internetkriminalität (CRISP) entstanden. Es hat sich zu einem Hotspot der Cybersicherheitsforschung in Deutschland und Europa entwickelt. Mit der inhaltlichen Fortentwicklung dieses Forschungsbereiches ist Hessen führend. „CRISP“ soll dazu beitragen, kritische Infrastrukturen zuverlässig zu schützen und Cyberattacken abzuwehren.

Das Forschungsgebäude für Center of Smart Interfaces der TU Darmstadt
Center of Smart Interfaces der TU Darmstadt

Forschungsinstitutionen außerhalb der Hochschulen

Die hessische Forschungslandschaft wird durch Einrichtungen außerhalb der Hochschulen geprägt: Dazu zählen sechs Institute der Max-Planck-Gesellschaft, fünf Institute der Fraunhofer-Gesellschaft, das Helmholtz-Zentrum sowie vier Einrichtungen der Leibnitz-Gemeinschaft. Diese sind Teil des Wissenschaftssystems. Erklärtes Ziel der Landespolitik ist eine möglichst enge Vernetzung dieser Einrichtungen mit den Universitäten des Landes und eine deutliche Stärkung dieses Bereiches. So wird beispielsweise der Erweiterungsbau der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung mit rund 117 Millionen Euro unterstützt. Die Forschungsbereiche umfassen relevante Themen der Natur- und Geisteswissenschaften.

Unternehmerische Ideen an Hessischen Hochschulen

Aus den Hochschulen sollen Existenzgründer, Erfindungen und neue unternehmerische Ideen hervorgehen. 2016 gab es aus diesem Grund erstmals einen „Hessischen Ideenwettbewerb“ zur Förderung von innovativen Gründungsideen. In diesem Jahr wird der landesweite Wettbewerb der Initiative „Hessen Ideen“ durch das „Hessen Ideen Stipendium“ ergänzt. Mit dem Stipendienprogramm sollen Gründerteams aus der Hochschule dabei unterstützt werden, ihre Geschäftsideen weiterzuentwickeln und eine eigene Unternehmensgründung vorzubereiten. Bei einer Programmlaufzeit bis Ende 2020 sollen mehr als 50 Gründungsvorhaben und mehr als 120 angehende Hochschulgründer und -gründerinnen von der Förderung profitieren.

An vielen hessischen Hochschulen sind in den letzten Jahren erfolgreiche Einrichtungen zur Unterstützung von Hochschulgründern aufgebaut worden. Beispielhaft der „Science Park“ an der Universität Kassel, der „Unibator“ an der Goethe-Universität Frankfurt, die Gründerzentren „Home of Innovation, GrowtH, EntrepreneurShip and Technology Management“ (HIGHEST) an der TU Darmstadt, das Gründerzentrum ECM der mittelhessischen Hochschulen an der JLU Gießen und das Marburger Institut für Innovationsforschung und Existenzgründungsförderung (Mafex).

Justus-Liebig-Universität
Justus-Liebig-Universität, Vorlesung Recht und Wirtschaft

Der im April 2017 gegründete Patenverwertungsverbund an der Universität Kassel soll zum Schutz von Hochschulerfindungen beitragen. Die Landesregierung unterstützt den Verbund mit rund einer Million Euro. Bis Ende 2019 sollen 40 Projekte an hessischen Hochschulen gefördert werden.

Einsatz von  Geldern der Europäischen Union für den Forschungstransfer

In der EU-Strukturfondsförderperiode 2014 bis 2020 stehen dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst erstmals Mittel aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) zur Verfügung.

Der Einsatz der EFRE-Mittel in Höhe von 32,6 Millionen Euro konzentriert sich insbesondere auf die in der Hessischen Innovationsstrategie bezeichneten Branchen, Technologien und Innovationsfelder. Die Mittel sollen insbesondere für den Ausbau des Wissens- und Technologietransfers, die Forschungsvalidierung und die Gründerförderung sowie für den Auf- und Ausbau von Innovationsinfrastrukturen sowie die Einrichtung und den Betrieb von Kompetenz- und Anwendungszentren genutzt werden.

Holocaust-Professur
Wissenschaftsminister Boris Rhein und Prof. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, gratulieren Prof. Dr. Sybille Steinbacher zum Antritt der bundesweit ersten Holocaust-Professur.

Erste Holocaust-Professur in Deutschland

In Hessen gibt es die bundesweit erste Holocaust-Professur: Der 2017 an der Universität in Frankfurt eingerichtete und mit dem Fritz-Bauer-Institut verbundene neue Lehrstuhl erforscht die nationalsozialistischen Verbrechen und deren Wirkungsgeschichte bis in die Gegenwart hinein. Das Fritz-Bauer-Institut ist eine Bildungs- und Forschungsstätte von internationalem Rang, die 2017 mit mehr als 375.000 Euro vom Land unterstützt wurde. Die Professur wird mit zusätzlichen Landesmitteln in Höhe von 150.000 Euro im Jahr gefördert.

Besserer Schutz für Tiere in der Forschung

Die Anzahl der an den hessischen Hochschulen durchgeführten Tierversuche steigt kontinuierlich. Das soll sich ändern. Im Hochschulgesetz wurde geregelt, dass in der Forschung Tierversuche nur noch dann zulässig sind, wenn sie nicht durch alternative Verfahren ersetzt werden können. Zusätzlich sind 2017 an der Goethe-Universität Frankfurt und an der Justus-Liebig-Universität Gießen insgesamt drei Tierschutz-Professuren besetzt worden. Im Hochschulpaktzeitraum 2016 bis 2020 werden etwa 4,4 Millionen Euro in den Schutz von Forschungstieren investiert werden (Landesmittelanteil: 2,4 Millionen Euro).

Neu bei der documenta: Professur und Institut

Die Landesregierung finanziert von 2018 bis 2020 eine documenta-Professur an der Uni Kassel, die mit jährlich 215.000 Euro bezuschusst wird. Mit ihr soll die Lehr- und Forschungstätigkeit als fester Bestandteil in die Kunsthochschule und die Universität integriert werden.

Gemeinsam mit der Stadt Kassel strebt das Land an, die documenta auch zwischen den großen Ausstellungen für die Öffentlichkeit erlebbar zu machen. Hierzu soll das Archiv erschlossen und zu einem documenta-Institut weiterentwickelt werden.

documenta
Die documenta - ein kultureller Höhepunkt in Hessen: Ministerpräsident Bouffier eröffnet 2017 die Ausstellung mit Bundespräsident Steinmeier.

Ein Neubau des documenta-Archives soll bis zur nächsten documenta fertiggestellt werden. Der Bund hat dafür bis zu zwölf Millionen Euro zugesagt, wenn Stadt und Land die anderen 50 Prozent finanzieren. Das Land hat die Finanzierung von bis zu sechs Millionen Euro in Aussicht gestellt, die Stadt Kassel ebenfalls. Darüber hinaus stellt diese ein Grundstück für den Bau zur Verfügung und ist Bauherr.

  • Unterstützung für den Erweiterungsbau der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung mit rund 117 Millionen Euro.
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