Nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes | Informationsportal Hessen
Umwelt, Energie & Klimaschutz

Nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes

Balance zwischen Naturschutz und Wirtschaftsinteressen

Fast die Hälfte Hessens ist von Wald bedeckt: 42,3 Prozent. Damit ist Hessen neben Rheinland-Pfalz das waldreichste Bundesland in Deutschland. Der Wald ist für die Bevölkerung von herausragender Bedeutung. Er ist Lebensraum, Erholungsraum und Ressource zugleich. Der Landesregierung ist daher die Balance zwischen Waldnutzung sowie Klima- und Naturschutz im Wald sehr wichtig.

Zur nachhaltigen Sicherung der biologischen Vielfalt soll der Anteil ungenutzter Wälder auf fünf Prozent gesteigert werden. Dem hessischen Staatswald werden dazu acht Prozent seiner Flächen aus der forstwirtschaftlichen Nutzung genommen.

Nationalpark Kellerwald-Edersee

FSC-Zertifizierung im Staatswald

Der hohe Standard der Bewirtschaftung des Staatswaldes in Hessen wird mit der FSC-Zertifizierung durch ein weltweit anerkanntes Gütesiegel bestätigt und sichtbar gemacht. Die FSC-Zertifizierung schafft ein Bewusstsein für den Naturschutz und die Biodiversität in hessischen Wäldern. Ab August 2018 wird der komplette Staatswald FSC-zertifiziert sein. Dies entspricht 305.000 Hektar Mit dem Siegel ist zum Beispiel der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln untersagt und es werden sogenannte Biotopbäume als Lebensraum für Tiere – wie zum Beispiel den Specht oder die Fledermaus – ausgewiesen. Bei der Wahl der Baumarten richtet sich der FSC nach den natürlich vorkommenden Arten.

Neben den ökologischen Aspekten sind mit dem FSC-Siegel auch Chancen für den Verkauf hessischen Holzes verbunden, denn die Nachfrage nach FSC-zertifiziertem Holz wächst. Vorgesehen ist eine Zertifizierung unter Berücksichtigung der ökologischen und ökonomischen Ergebnisse und der Erkenntnisse aus dem FSC-Pilotforstamt Dieburg.

Schutz des Bannwaldes

Ein weiterer Baustein der nachhaltigen Waldpolitik ist der Schutz des Bannwaldes. Er ist die „grüne Lunge“ der Ballungsräume. In Hessen gibt es 54 Bannwälder auf einer Fläche von rund 19.000 Hektar, das sind zwei Prozent des hessischen Waldes. Dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben und wo es nur wenig Grünfläche gibt, ist der Erhalt des Waldes besonders wichtig. Daher sind Bannwälder vor allem im Rhein-Main-Gebiet, in Gießen und Kassel zu finden.

Nach einer Änderung des Waldgesetztes im Jahr 2002 wurden allerdings die Bedingungen für eine Rodung von Bannwald erheblich vereinfacht. In den vergangenen Jahren gab es einen Verlust von knapp 424 Hektar. Im Juli 2014 wurde deshalb ein Gesetz zur Änderung des Hessischen Waldgesetzes im Landtag verabschiedet, das den Schutz des Bannwaldes entscheidend verbessert.

Waldlichtung

Erhalt der Lebensräume in Flora-Fauna-Habitaten

Hessen hat besondere Natur- und Landschaftsschutzgebiete. Dazu zählen mehr als 580 sogenannte Flora-Fauna-Habitat-Gebiete (FFH) und rund 60 Vogelschutzgebiete. Für diese Orte müssen nach einer EU-Vorgabe Pläne zum Erhalt der Lebensräume und der Artenvielfalt aufgestellt werden. Die FFH-Maßnahmen gelten seit Ende 2016. Die Umsetzung der Vogelschutz-Maßnahmen erfolgt bis 2020.

Bis Ende 2017 wurden bereits mehr als 8.000 Maßnahmen geplant und der Großteil davon umgesetzt: So wurden Flächen unter Verzicht auf Düngung und Pestizideinsatz nach naturschutzfachlichen Vorgaben gemäht oder mit Rindern, Schafen oder Ziegen beweidet. Für besonders gefährdete Tierarten wurden neue Teiche und Tümpel, Hecken und Streuobstwiesen, Brutquartiere und Überwinterungsverstecke angelegt.

Trotz der finanziellen Zuschüsse des Landes wäre die Umsetzung der Maßnahmen ohne den Einsatz ehrenamtlicher Naturschützerinnen und Naturschützer, Landschaftspflegeverbände und Forstämter nicht möglich. Ein Beispiel für diese Zusammenarbeit ist die Renaturierung der Eder. Mit Hilfe unterschiedlicher Akteure findet die Ausweitung des Gewässers für die Vermehrung zahlreicher Fisch- und Vogelarten auch heute noch statt.

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