Umwelt, Energie & Klimaschutz

Landwirtschaft: einmaliger Zukunftspakt

Konventionelle und ökologische Landwirtschaft im Einklang

Die Landwirtschaft hat eine große Bedeutung für Hessen. Die hessischen Produkte und Lebensmittel genießen hohes Ansehen. Neben der konventionellen Landwirtschaft hat sich der ökologische Landbau in Hessen als eine zunehmend wirtschaftlich interessante Produktionsausrichtung etabliert. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Bio-Produkten nimmt auch der Ökolandbau stetig zu.

„Zukunftspakt Hessische Landwirtschaft“ gestaltet den Strukturwandel

Mit dem „Zukunftspakt Hessische Landwirtschaft“, den 2015 fast 30 Verbände unterzeichnet haben, wird der Strukturwandel in der Landwirtschaft gestaltet, ohne dass sich dabei konventionelle und ökologische Landwirtschaft gegeneinander positionieren. Das Ziel der Agrarpolitik der Hessischen Landesregierung lautet, die kleinen und oft familiär geprägten Betriebe als wesentliche Vertreter der Landwirtschaft zu fördern und zu erhalten. Dabei erfahren sowohl die konventionellen als auch die ökologisch wirtschaftenden Betriebe die gleiche Unterstützung. Im „Zukunftspakt“ wurde eine stärkere regionale Zusammenarbeit und Vernetzung in der Vermarktung von Produkten vereinbart, um neue Wertschöpfungsketten im ländlichen Raum zu schaffen und bestehende auszubauen. Die Unterzeichner verständigten sich darüber hinaus darauf, auf den Einsatz von Gentechnik zu verzichten.

Ökolandbau in Hessen

Schnelle und unbürokratische Hilfe in der Milchkrise

Es war eine schwierige Zeit für die hessischen Milchbauern: Sie standen zwischen 2014 und 2016 wegen drastisch fallender Preise für Rohmilch unter enormen finanziellen Druck. Das Land Hessen entschloss sich im Sommer 2016 zur Soforthilfe und gewährte eine schnelle und unbürokratische finanzielle Unterstützung von fünf Millionen Euro. Die Aufstockung und frühzeitige Auszahlung der sogenannten Ausgleichszahlung, von der rund 80 Prozent der milchviehhaltenden Betriebe profitierten, half, viele vor dem wirtschaftlichen Ruin zu bewahren. Darüber hinaus hat sich das Land auf allen politischen Ebenen für eine strukturelle und systemische Verbesserung der Marktsituation stark gemacht.

Hessische Erdbeeren

Zahl der Ökobetriebe auf Rekordniveau

Noch nie gab es in Hessen so viele Ökobetriebe. Derzeit werden 13,5 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche von mehr als 2.000 Landwirtinnen und Landwirten ökologisch bewirtschaftet. Damit liegt Hessen bundesweit im Spitzenfeld.

Allein 2016 ist die Ökoanbaufläche in Hessen um rund 10.000 Hektar angestiegen, 2017 um mehr als 8.000. Das stellt einen historischen Rekordwert dar. Mehr als 100.000 Hektar werden mittlerweile ökologisch bewirtschaftet, seit 2014 hat die Fläche um 35 Prozent zugenommen. Das entspricht etwa der gesamten landwirtschaftlichen Fläche des Rheingau-Taunus-Kreises und der Stadt Wiesbaden zusammen. Damit hat Hessen sich eine Spitzenposition in Deutschland erarbeitet und schafft es, diese zu behaupten und weiter auszubauen. Auch im Bereich Forschung, Versuchsfelder und Ökokontrollen hat Hessen eine Führungsrolle übernommen.

Ökoaktionsplan stärkt den ökologischen Landbau

Der Anstieg des ökologischen Landbaus geht auch auf den Ökoaktionsplan (ÖAP) zurück, den das Hessische Landwirtschaftsministerium 2014 gestartet hat. Sein Ziel ist es, den Anteil des ökologischen Landbaus in Hessen auszubauen. Dafür wurden zehn Handlungsfelder identifiziert, in denen die Rahmenbedingungen und die Förderung für den Ökolandbau konsequent verbessert wurden. Das beginnt bei der deutlichen Aufstockung der ausgezahlten Flächenprämien für Landwirtinnen und Landwirte, die bereits auf „Öko“ umgestellt haben, oder sich entscheiden, diesen Schritt zu gehen.

Strohballen

Rapsfelder

Zudem wurde die Beratung zu Grundwasserschonung, Energieeffizienz, Biodiversität oder tiergerechten Haltungsbedingungen ausgebaut. An den hessischen Fachschulen sind diese Inhalte seit 2014 wieder verpflichtend in den Lehrplan der landwirtschaftlichen Ausbildung aufgenommen worden. Durch die Förderung, Ausbildung und den gesteigerten Wissenstransfer konnten gerade junge Landwirtinnen und Landwirte für eine natur- und umweltschonendere Landbewirtschaftung gewonnen werden.

Ökoprodukte werden streng kontrolliert. Um auch diesem Aspekt des Verbraucherschutzes gerecht zu werden, war auch die Stärkung der Ökokontrolle Ziel des Hessischen Ökoaktionsplanes. Hessen ist darin gut aufgestellt und hat nun auch bundesweite Koordinierungsaufgaben in der Ökokontrolle übernommen.

Weil auch der Ökolandbau langfristig nur bestehen kann, wenn die Bäuerinnen und Bauern von ihrer Arbeit leben können, setzt die Hessische Landesregierung zudem auf einen besseren Absatz hessischer Biolebensmittel. Hierfür wurden drei Ökolandbau-Modellregionen ausgerufen (Wetterau, Fulda und ein Zusammenschluss der Landkreise Kassel und Werra-Meißner). Drei weitere sind geplant. Ziel ist es, die produzierenden Betriebe von biologischen Lebensmitteln aus hessischen Regionen mit den Verarbeitern, der Gastronomie und letztlich auch dem regionalen und überregionalen Einzelhandel zu vernetzen.

Hessisches Programm für Agrarumwelt & Landschaftspflege-Maßnahmen (HALM)

Der weitaus größere Teil der Agrarförderung entfällt auf das Hessische Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen (HALM). Seit 2015 wird hierüber nicht nur die Umstellung auf Bio, sondern auch die Erweiterung von Öko-Betrieben gefördert. Für 2018 und 2019 stehen daher jeweils rund 20 Millionen Euro für neue Anträge von Landwirtinnen und Landwirten bereit, die sich für einen Biobetrieb oder eine Vergrößerung entscheiden.

Dottenfelder Hof in Bad Vilbel

Dottenfelder Hof in Bad Vilbel

Im Doppelhaushalt 2018/2019 sind darüber hinaus Mittel für die bereits bewilligten Ökoflächen eingeplant, die in den kommenden zwei Jahren ausgezahlt werden. Das sind 2018 insgesamt knapp 43 Millionen Euro, im Jahr 2019 rund 46 Millionen Euro. Auch erhalten die Landwirtinnen und Landwirte einen finanziellen Ausgleich für zusätzliche Kosten oder Ertragsverzicht in Folge einer besonders umweltgerechten Landbewirtschaftung.

HALM wird von Hessen unter Beteiligung der EU und des Bundes finanziert. Gefördert werden unter anderem besonders nachhaltige Verfahren im Ackerbau sowie Maßnahmen zum Erhalt und zur Entwicklung wertvoller Biotope. Auch die Zusammenarbeit von Akteuren der Landwirtschaft und die Erarbeitung sowie Umsetzung von gemeinsamen Konzepten zur Agrarumwelt werden mit HALM unterstützt.

Vertrieb regionaler & ökologischer Produkte

„Bio“ und „regional“ gehören zusammen. Eine entscheidende Voraussetzung für den Verkauf heimischer Lebensmittel – auch der ökologisch produzierten – ist eine funktionierende regionale Vertriebsstruktur. Verbraucherinnen und Verbraucher interessieren sich stärker denn je für die Herkunft ihrer Lebensmittel. Hier setzt die Landesregierung mit Erfolg an. 2016 wurde ein für fünf Jahre ausgelegtes Vermarktungsprojekt gemeinsam mit der Marketinggesellschaft „Gutes aus Hessen“ gestartet. Für das Jahr 2018 stehen hierfür 1,45 Millionen Euro und für 2019 1,65 Millionen Euro zur Verfügung.

Regionale Produkte

Ergebnis der erfolgreichen Zusammenarbeit ist die Aktionsgemeinschaft „Echt hessisch!“, mit der unter anderem auch Frankfurter Bio- Würstchen und Lammfleisch aus der Rhön vermarktet werden. Derzeit wird geprüft, ob Strukturen für eine hessische Bio-Milch aufgebaut werden können.

Beatrix Tappeser
Umweltstaatssekretärin Beatrix Tappeser

Schutz der EU-Kommission für „Frankfurter Grüne Soße“

Im März 2016 stimmte die EU-Kommission der Aufnahme der „Frankfurter Grünen Soße“ auf die Liste der geschützten geografischen Angaben zu. Weitere aus Hessen stammende Produkte mit geschützten Bezeichnungen sind: „Odenwälder Frühstückskäse“, „Hessischer Handkäs(e)“ und „Hessischer Apfelwein“.

  • Hessen hat im Ökolandbau eine Spitzenposition in Deutschland. 13,5 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche werden ökologisch bewirtschaftet.
  • Ökomodellregionen vernetzen Betriebe. Gastronomie und Einzelhandel.
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