Flughafen Frankfurt

Verkehrsminister kündigt weitere Maßnahmen gegen Fluglärm an

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Bild eines Flugzeugs am Himmel
© HMWEVL

Am dritten Jahrestag der Eröffnung der Nordwest-Landebahn am Frankfurter Flughafen hat der hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir weitere Maßnahmen gegen Fluglärm angekündigt. „Wir werden nicht locker lassen und den Flughafenbetreiber Fraport, die Fluggesellschaften und die Deutsche Flugsicherung (DFS) weiter in die Pflicht nehmen. Das Ziel ist klar: Wir wollen den Flugverkehr Schritt für Schritt leiser machen“, sagte Al-Wazir am Dienstag. „Daran arbeite ich und daran werde ich mich auch messen lassen.“

Al-Wazir betonte, dass er die berechtigten Interessen der Anwohner auf mehr Lärmschutz noch stärker in den Blick nehmen  werde als dies früher der Fall war. „Natürlich weiß ich um die hohe wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens mit seinen 78.000 Arbeitsplätzen. Der Flughafen ist mit seinen direkten Verbindungen in alle Welt zugleich ein wesentlicher Faktor für die wirtschaftliche Stärke Hessens. Die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens muss deshalb erhalten werden“, so der Minister. „Aber ich kenne auch aus eigener Erfahrung die Belastungen, die mit einem solchen Luftverkehrsdrehkreuz mitten in einem Ballungsgebiet einhergehen. Mit der Allianz für Lärmschutz sind kurz nach der Eröffnung der Landebahn bereits eine ganze Reihe von lärmmindernden Maßnahmen entwickelt und umgesetzt worden. Aber ich will das weiter verbessern.“ Daher verstehe er seine Aufgabe als zuständiger Verkehrsminister nicht zuletzt darin, aus dem Ministerium heraus neue Vorschläge zu entwickeln und Impulse für mehr Lärmschutz zu geben.

Siebenstündige Lärmpausen

Beispielhaft nannte Al-Wazir die geplante Einführung siebenstündiger Lärmpausen, die den Menschen rund um den Flughafen – über das bestehende Nachtflugverbot hinaus - eine zusätzliche Stunde Ruhe ermöglichen sollen. „Natürlich wird dadurch kein Flugzeug weniger landen“, sagte Al-Wazir. Aber eine intelligente Bahnnutzung und Verteilung des Lärms könnten für eine spürbare Entlastung sorgen. „Welche massiven Auswirkungen Lärmverlagerungen im negativen Sinne haben können, wurde ja durch die Eröffnung der Nordwest-Landebahn offenkundig. Wir wollen es jetzt genau umgekehrt machen und die Menschen durch die zeitweise Bündelung von Lärm entlasten.“

Die veränderte Schwerpunktsetzung im Ministerium werde auch durch die Einrichtung einer neuen Stabsstelle für Fluglärmschutz zum 1. November deutlich. Innerhalb der Stabsstelle sollen verstärkt innovative Strategien und Konzepte im Bereich des Fluglärmschutzes entwickelt und Einzelmaßnahmen und Instrumenten im Bereich des Fluglärmschutzes analysiert und bewertet werden. Dazu zählen auch die Einführung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Lärmobergrenze und die Intensivierung des Lärmmonitorings. Al-Wazir: „Wir freuen uns, mit Regine Barth eine kompetente und seit vielen Jahren mit allen Fragen des Fluglärmschutzes betraute Expertin gewonnen zu haben.“ Regine Barth werde zugleich die Aufgaben der Fluglärmschutzbeauftragten übernehmen.

Spreizung der Lärmentgelte

Als wichtigen Hebel zur Lärmminderung am Frankfurter Flughafen nannte Al-Wazir eine weitere Spreizung der Lärmentgelte. „Das Prinzip ist ebenso einfach wie wirksam: Laute Flieger müssen für einen Start oder eine Landung in Frankfurt deutlich mehr zahlen als leisere Flugzeuge. Diese Entgelte  wollen wir zusammen mit dem Flughafenbetreiber Fraport innerhalb des vorgegebenen Rechtsrahmens möglichst noch weiter spreizen und so erreichen, dass die Fluggesellschaften Frankfurt möglichst mit ihren leisesten Flugzeugen anfliegen“, so Al-Wazir. Besonders die Deutsche Lufthansa habe darauf bereits reagiert und in großem Umfang lautere Flugzeuge gegen lärmärmere ausgetauscht.

Al-Wazir verwies zugleich auf die zuletzt aufgestockte Forschungsförderung, zum Beispiel für noch leisere Anflugverfahren beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig. Ein Ergebnis sei der Einsatz von Wirbelgeneratoren, die die Geräuschentwicklung unter den Flügeln der A320-Flotten von Lufthansa und Air France maßgeblich reduzieren würden. "Es kommt jetzt darauf an, dass die Flugzeuge auch schnell umgerüstet werden", so Al-Wazir.

Satellitengestützte Präzisionsanflugverfahren 

Erst im September sei zudem das satellitengestützte Präzisionsanflugverfahren „Ground Based Augmentation System“ (GBAS) offiziell in Betrieb genommenen worden. Al-Wazir: „Damit ist der Frankfurter Flughafen jetzt technisch für ein präziseres An- und Abfliegen ausgestattet. Anflüge sind dadurch technisch mit einem höheren Gleitwinkel möglich. Langfristig könnten damit auch Siedlungsschwerpunkte umflogen werden. Jetzt sind die Fluggesellschaften am Zug, Ihre Flugzeuge schnellstmöglich auf den technischen Stand zu bringen, um dieses Präzisionsverfahren auch in Frankfurt nutzen zu können“.

Bereits Ende Oktober werde zudem ein neues lärmminderndes Anflugverfahren in Frankfurt in den Probebetrieb gehen. Dabei werden die Flughöhen vor und auf dem ersten Teil des nördlichen Gegenanfluges ab dem 31. Oktober 2014 in einem Probebetrieb um rund 1.000 Fuß angehoben. Das sind etwa 300 m.

Anhebung der Gleitwinkel 

Die Anhebung der Gleitwinkel beim Landen der Flugzeuge auf 3,2 Grad bei Anflügen auf die Landebahn Nordwest werde voraussichtlich im Dezember 2014 in den Regelbetrieb überführt werden. Das Bundesverkehrsministerium habe hierfür bereits eine Ausnahmegenehmigung erteilt. „Durch das steilere Anfliegen zur Landebahn Nordwest sind die Flugzeuge insgesamt etwas höher über der Bebauung, so dass weniger Lärm am Boden ankommt. Die Pilotphase war schon sehr vielversprechend. Diese Maßnahme funktioniert“, bilanzierte Al-Wazir.

„Beim Lärmschutz drehen wir derzeit an äußerst vielen Stellschrauben. Viele dieser Maßnahmen setzen direkt an der Quelle des Lärms an. Manche können auf einen Schlag eine spürbare Entlastung bringen, andere entfalten erst im Zusammenspiel ihre Wirkung“, so der Minister. Dort, wo die Belastung selbst nach Realisierung aktiver Schallschutzmaßnahmen noch zu hoch sei, müsse der Schutz durch passive (bauliche) Maßnahmen ergänzt werden und die betroffenen Kommunen müssen einen Nachteilsausgleich bekommen. Ein wichtiger Finanzierungsbaustein hierzu sei der Regionalfonds für den Frankfurter Flughafen, der ein Mittelvolumen von ca. 265 Mio. Euro umfasst. „Diese Mittel wollen wir im Bereich der nachhaltigen Kommunalentwicklung verstetigen“, sagte Al-Wazir.

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