20. Wiesbadener Hospiztag

Suizidgesellschaft oder Sorgegesellschaft

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Zwei Hände umgreifen einen Stock
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Anlässlich des 20. Wiesbadener Hospiztages würdigte der Hessische Minister für Soziales und Integration Stefan Grüttner die ehrenamtliche Hospizbewegung und die daraus entstandene Palliativmedizin und -pflege, die den Sterbeprozess als natürlichen Prozess in das öffentliche Bewusstsein gerückt habe und bekannte sich ausdrücklich zu der Sorgegesellschaft. Er könne zwar die Ängste der Menschen vor Schmerzen, vor Vernachlässigung, Respektlosigkeit und die Angst davor, anderen zur Last zu fallen, gut nachvollziehen, jedoch dürfe diesen nicht mit aktiver Sterbehilfe begegnet werden.

„Wir benötigen gute Informationen über die Palliativmedizin und eine soziale Politik, die die Gesellschaft in Richtung einer sorgenden Gesellschaft weiterentwickelt, neue Konzepte zum Wohnen im Alter, eine Wiederbelebung und Stärkung von Nachbarschaftshilfe und das bürgerschaftliche Engagement, das Mitverantwortung für die sorgende Gesellschaft trägt“, so Grüttner. Er wies darauf hin, dass im Rahmen der Seniorenpolitischen Initiative schon viele Projekte wie der Aufbau der Mehrgenerationenhäuser und Familienzentren seitens der Hessischen Landesregierung unterstützt wurden. Dies werde auch im kommenden Jahr einer der Schwerpunkte in der Seniorenpolitik sein. Die Politik müsse die Rahmenbedingungen so gestalten, dass das Bedürfnis zu helfen, sich überall dort gut entfalten könne, wo es gebraucht werde, insbesondere in der letzten Lebensphase des Menschen.

Unterstützung für die Hospizbewegung und die Palliativversorgung

Der Minister erinnerte in diesem Zusammenhang an das Gesetzgebungsverfahren zum Thema Sterbebegleitung im letzten Jahr und begrüßte die nun getroffene Lösung, die sich explizit gegen die aktive Sterbehilfe ausspricht. Unterstützung müsse die Hospizbewegung und die Palliativversorgung erfahren. Grüttner erinnerte an die Frauen und Männer, die in den letzten drei Jahrzehnten mit der Hospizbewegung das Sterben und den Tod nicht mehr aus dem öffentlichen Leben ausgeblendet, sondern zurück in die Mitte der Gesellschaft geholt haben und dankte ihnen für diese großartige Leistung. Die hauptamtliche Palliativmedizin- und pflege, die nunmehr auch finanziell honoriert werde, sei ohne die hospizliche Bürgerbewegung überhaupt nicht denkbar. „Bürgerschaftliche Hospizbewegung und hauptamtliche Palliativmedizin müssen auch in Zukunft als gleichberechtigte Komponenten einer guten Sterbebegleitung nebeneinander auf Augenhöhe bestehen.“

Grundsatz „ambulant vor stationär“

Wichtig sei, dass auch im Rahmen der Sterbebegleitung der Grundsatz „ambulant vor stationär“ formuliert werde und eine Öffentlichkeitskampagne gestartet werde, die allen Menschen die Informationen und Möglichkeiten der hospizlichen Begleitung und palliativen Versorgung zugänglich mache.

„Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, um die Rahmenbedingungen für ein würdevolles, gut begleitetes Sterben auch in bereits bestehenden stationären Einrichtungen wie Altenpflegeheimen, Einrichtungen der Behindertenhilfe und Krankenhäusern zu verbessern. Eine gute Sterbebegleitung, gepaart mit einer umfassenden palliativen Versorgung kann der Angst vor einem langen Sterbeprozess wirksam begegnen und ein menschenwürdiges Leben bis zum letzten Atemzug ermöglichen“, betonte Grüttner abschließend.

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