Demografie-Sommerreise

Staatsminister Wintermeyer besucht die mobile Seniorenberatung mit dem SEHmobil

16.07.2018Hessische Staatskanzlei
Mobile Seniorenberatung mit dem SEHmobil
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Christa Pfeiffer zeigt dem Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, ein Gerät, das ihr beim Lesen hilft.
© Staatskanzlei

Auf seiner Sommerreise hat der Chef der Hessischen Staatskanzlei und Demografie-Beauftragte der Hessischen Landesregierung, Staatsminister Axel Wintermeyer, heute in Marburg das Projekt „Die mobile Seniorenberatung mit dem SEHmobil“ besucht. Dies ist eine Initiative der Deutschen Blindenstudienanstalt (blista). Die mobile Seniorenberatung ist eines von sechs Projekten, die für den Hessischen Demografie-Preis 2018 nominiert sind, der Anfang September in Wiesbaden verliehen wird. „Hier erhalten ältere Menschen, die ihre Sehkraft verloren haben, eine echte Hilfe im Alltag. Nur, wenn an vielen Knotenpunkten Sensibilität für die Auswirkungen von Sehverlust im Alter hergestellt wird, kann es gelingen, nachhaltig im Interesse der Betroffenen zu agieren“, sagte Axel Wintermeyer.

Eine gute Unterstützung im Alltag 

Die Verwantwortlichen des Projekts möchten Seniorinnen und Senioren, die unter dem Verlust der Sehkraft leiden, Mut machen, ein weiterhin selbstbestimmtes Leben in ihrem gewohnten Umfeld zu führen. Dazu bieten sie kostenfreie Hausbesuche an. Gemeinsam, auch mit Angehörigen, werden in etwa zwei bis drei Terminen Maßnahmen erarbeitet, welche Autonomie, Mobilität und soziale Einbindung stärken. Dank des SEHmobils, einem Kleinbus voller Hilfsmittel, können Ratsuchende viele Alltagshelfer und Sehhilfen zu Hause ausprobieren. Mit der sprechenden Küchenwaage fällt das Backen wieder leichter; mit der richtigen Leselupe klappt es wieder besser, Zeitschriften zu lesen. Der Seniorenberater hilft bei der Beschaffung von Hilfsmitteln, was eine große Entlastung für Angehörige ist. Bei einem Rundgang werden wichtige Wege und Sturzgefahren betrachtet. Es wird gezeigt, wie mit Beleuchtung und kleinen Tricks, die Wohnung barrierefreier werden kann.

Auch die Freizeitgestaltung und Kontakte zu Selbsthilfe- und Seniorengruppen sind dabei Themen. Oft kennen die betroffenen Personen die medizinischen und psychischen Aspekte der eingetretenen Behinderung nicht richtig. Neben entsprechenden Erläuterungen enthalten die Gespräche daher einen hohen Anteil psychosozialer Beratung; diese persönliche Zuwendung wird von den Seniorinnen und Senioren als sehr positiv empfunden. Eine Studie der Philipps-Universität Marburg ergab, dass sich die Beratung vor allem auf die Lebensqualität in den Bereichen Aktivität, Freizeit und Mobilität auswirkt. Seit 2012 wurden mehr als 425 Personen mehr als 1.050-mal besucht. Die Wohnorte erstrecken sich bis zu 60 Kilometer ins Marburger Umland; zwei Drittel der Ratsuchenden leben im ländlichen Umfeld. „Das sind beeindruckende Zahlen, die zeigen, wie groß der Bedarf an einem solchen Angebot ist. Es ist toll, dass Menschen mit eingeschränkter Sehkraft hier eine gute Unterstützung im Alltag finden“, sagte Staatsminister Axel Wintermeyer. Die Betroffenen kämpfen mit erheblichen Mobilitätsbarrieren und infrastrukturellen Mängeln. Das Durchschnittsalter liegt bei 83 Jahren. Die Menschen leben oft allein, nur ein Drittel lebt in Gemeinschaft.

Keine gesetzliche Grundlage für eine Regelfinanzierung

Die mobile Beratung ist ein Baustein der blista-Seniorenarbeit. Das Engagement setzt sich aus Vernetzung mit der regionalen Selbsthilfe, Freizeitangeboten und Unterstützungsdiensten für Senioren, Öffentlichkeitsarbeit, Schulung von Multiplikatoren in der Pflege, Aufklärung für Augenärzte sowie Workshops und Vorträgen für Betroffene und Angehörige zusammen. Seit Sommer 2013 werden die Aktivitäten ausschließlich über Spenden finanziert; eine gesetzliche Grundlage für eine Regelfinanzierung besteht nicht.

„Unsere Gesellschaft spürt die Auswirkungen des demografischen Wandels deutlich, vor allem das Land ist davon betroffen. Immer mehr Menschen ziehen dort weg. Das ist eine große Herausforderung für uns alle. Gut durchdachte Initiativen mit Menschen, die zupacken, wie die mobile Seniorenberatung mit dem SEHmobil, erhöhen die Lebensqualität in den ländlichen Regionen und stärken die dortige Gemeinschaft. Deshalb ist das Projekt für den Hessischen Demografie-Preis nominiert. Die ausgezeichneten Projekte haben einen echten Vorbildcharakter“, hob Staatsminister Axel Wintermeyer hervor.

Hintergrund

Mit dem Demografie-Preis zeichnet die Landesregierung seit 2010 jährlich Projekte und Initiativen aus, die dem demografischen Wandel mit innovativen und kreativen Ideen entgegenwirken. Unter dem Motto „Wo Ideen Freiraum haben! Leben auf dem Land“ steht die Zukunftsfähigkeit des ländlichen Raumes im Mittelpunkt des mit insgesamt 20.000 Euro dotierten Preises. Aus 91 Bewerbungen hat eine unabhängige Fachjury sechs Projekte ausgewählt. Bei der Preisvergabe sind die Kriterien Innovation, Nachhaltigkeit und Übertragbarkeit der Projekte entscheidend.

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