Hessischer Integrationspreis zum 10. Mal verliehen

Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn: „Familienfreundliche Kultur in allen Bereichen fördern“

Der Hessische Minister der Justiz, für Integration und Europa und stellvertretende Ministerpräsident, Jörg-Uwe Hahn, hat im Schloss Biebrich die Preisträger des Hessischen Integrationspreises 2013 geehrt.

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Justizminister Jörg-Uwe Hahn verleiht den Hessischen Integrationspreis 2013
Der Hessische Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn ehrte bei einem Festakt im Biebricher Schloss die Wiesbadener Gruppe „Erica`s Manna Mobil e.V.“ mit dem Hessischen Integrationspreis 2013. Als Anerkennung erhielten die Mitmacher eine Urkunde und einen Scheck über 5.000 Euro zur Unterstützung ihrer hervorragenden Arbeit.
© HMdJIE

„Wir haben heute Menschen ausgezeichnet, die sich für ein freundliches Miteinander in unserem Land einsetzen. Sie alle haben mit ihren Maßnahmen und Projekten die Chancen und Potentiale des Integrationsprozesses in den Vordergrund gestellt und gezeigt, dass Vielfalt eine Bereicherung darstellt“, so der stellvertretende Ministerpräsident.

„Die Verleihung des Hessischen Integrationspreises feiert dieses Jahr ein kleines Jubiläum“, so Hahn weiter. „Bereits zum zehnten Mal - seit dem Jahr 2004 - vergibt die Landesregierung heute diesen Preis. Wir können damit jedes Jahr aufs Neue zeigen, dass es in Hessen eine sehr große Zahl von hervorragenden Projekten und Initiativen gibt, die tagtäglich beweisen, dass Integration positiv gelingen kann.“

Im Mittelpunkt der diesjährigen Ausschreibung des mit 20.000 Euro dotierten Preises steht das Thema „Integration und Familie“.

„Mit der Vergabe des Integrationspreises haben wir in diesem Jahr sozusagen die Keimzelle unserer Gesellschaft in den Blick genommen: Die Familie“, so Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn. „Trotz der demografischen Entwicklung und obwohl sich die Formen des Zusammenlebens verändert haben, bildet die Familie nach wie vor die wesentliche Basis für unsere Gesellschaft“, sagte Hahn weiter. „Laut Familienreport 2012 geben 79 Prozent der Menschen in Deutschland an, dass man eine Familie braucht, um glücklich zu sein.“

Der Minister wies darauf hin, dass gerade bei der Integration von Mitbürgern mit Migrationshintergrund die Familienstrukturen sehr hilfreich sein können. „Stabile Familien- und Generationenbeziehungen spielen eine wichtige Rolle beim Integrationsprozess. Familienangehörige, die bereits hier leben, spielen beispielsweise eine zentrale Rolle bei der Integration von zugewanderten Verwandten. Familien geben außerdem dem Einzelnen Halt – Sie stellen erhebliche Ressourcen zur Verfügung. In der Familie freut man sich miteinander, man hilft man sich gegenseitig. Jung und Alt profitieren vom Netzwerk einer Familie“ , so Hahn.

„Deshalb“, sagte der Integrationsminister, „müssen wir die Strukturen der Familien unterstützen und stärken. Hier will der diesjährige Hessische Integrationspreis ansetzen.  Mit dem Preis wollen wir eine familienfreundliche Kultur in allen Bereichen fördern. Wir müssen die Infrastruktur der Gesellschaft und der Arbeitswelt soweit möglich auf die Belange von Familien ausrichten. Deshalb hat die Jury  aus der Vielzahl der eingegangenen vier gleichberechtigte Preisträger ausgewählt, die jeweils mit 5.000 Euro prämiert werden.“

Die Preisträger des Hessischen Integrationspreises 2013

„Erica`s Manna Mobil e. V.”, Wiesbaden

Seit mittlerweile sechs Jahren hat es sich der gemeinnützige Verein zur Aufgabe gemacht, bedürftigen Kindern und Jugendlichen in Wiesbaden und Rüsselsheim ein kostenloses, frisch zubereitetes und ausgewogenes Mittagessen anzubieten und damit Familien zu entlasten. Der gemeinsame Mittagstisch wird als Großfamilie erlebt, bei dem die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Belange der Kinder und Jugendlichen stets ein offenes Ohr haben und für Gespräche zur Verfügung stehen.

Mit der Verleihung des Hessischen Integrationspreises möchte die Jury den herausragenden ehrenamtlichen Einsatz der Vereinsmitglieder in den Vordergrund stellen. Das große bürgerschaftliche Engagement der freiwilligen Helferinnen und Helfer – auch ein exzellentes Beispiel für ein solidarisches Miteinander zwischen Generationen und Ethnien – sichert Kindern und Jugendlichen einen niedrigschwelligen Zugang zu gesunder Ernährung und zu einer Gemeinschaft, in der man Bekannte trifft und sich wohlfühlen kann.

Programm „Elternbegleitung von Anfang an“, Bad Nauheim

Seit dem Jahr 2009 werden in Bad Nauheim muttersprachliche ehrenamtliche Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter als Ansprechpartner für Familien mit neugeborenen Kindern ausgebildet und eingesetzt. Im persönlichen Gespräch übermitteln sie Glückwünsche zur Geburt des Kindes, erläutern den Eltern die vielfältigen Angebote der Stadt (Elternkurse, Sprechstunden, Familiennachmittage, Patenmodelle etc.) und überreichen ein Elternbegleitbuch, das viele relevante Informationen in einfacher Sprache zur Verfügung stellt.

Die Jury möchte das Programm und die damit vernetzten Maßnahmen als eindrucksvolles Vorbild kommunaler Familienpolitik prämieren. Familien und Kinder stehen im Mittelpunkt des Handelns von Politik und Verwaltung und treffen in Bad Nauheim auf ein perfekt aufeinander abgestimmtes Unterstützungssystem. In besonderer Weise gelingt es den Ehrenamtlichen eine Vertrauensbasis zu schaffen und den neuen Eltern ein Gefühl der Anerkennung und Verbundenheit zu vermitteln. Die begonnene Weiterentwicklung des Programms in Richtung Kindertagesstätte und Schule belegt die hohe Priorität, die der Elternbegleitung  von allen Verantwortlichen zugemessen wird und beweist nachhaltige Konsequenz.

Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e. V., Frankfurt

Seit mehr als 40 Jahren setzt sich iaf e. V. als interkultureller Familienverband für die Belange von Familien mit und ohne Migrationshintergrund ein. In dieser Zeit hat sich aus einer Selbsthilfeinitiative eine bundesweit tätige Organisation entwickelt, die den Rahmen für eine Vielzahl von Angeboten (rechtliche bzw. psychosoziale Beratung, Migrationsberatung, Mediation, begleiteter Umgang u. v. m.) bildet. Darüber hinaus engagiert sich der Verband in verschiedenen Projekten und veranstaltet Seminare und Fortbildungen.

Der Einsatz des Verbandes zur Unterstützung von Familien und Partnerschaften ist nach Auffassung der Jury seit Jahrzehnten richtungsweisend und in höchstem Maße anerkannt. Sowohl Vielfalt als auch Qualität der Verbandsarbeit belegen die umfassende fachliche Kompetenz und die Authentizität des Engagements. In hochprofessioneller Weise wird Vielfalt als Bereicherung erlebt und vermittelt, das Verbindende stets in den Mittelpunkt gerückt. Der hierbei zugrunde liegende Kerngedanke, dass binationale und eingewanderte Familien als Teil dieser Gesellschaft angesehen werden und dies auch selbst so empfinden, eröffnet immer wieder neu bahnbrechende Perspektiven und schafft einen gemeinsamen Raum der Identität.

Diesterweg-Stipendium, Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Frankfurt

Das Diesterweg-Stipendium für Kinder (Viertklässler) und ihre Eltern setzt mit gezielter Förderung beim Übergang zur weiterführenden Schule an. Unterstützt werden Kinder (mehrheitlich mit Migrationshintergrund), deren Deutschkenntnisse förderbedürftig sind, die aber ein gutes Leistungspotenzial haben. Durch gemeinsame Bildungserfahrungen bei den Akademietagen, Exkursionen und thematischen Treffen wird die gesamte Familie in den Fokus genommen und unterstützt.

Die Jury sieht in der Maßnahme einen hervorragenden und mustergültigen Ansatz der mittlerweile von anderen Städten auch außerhalb Hessens adaptiert wurde. In besonderer Fülle betrachtet das stärkenorientierte Förderkonzept die Familie als Ganzes, sichert bessere Bildungschancen für Kinder sowie Geschwisterkinder und eröffnet den Eltern neue berufliche Perspektiven. Das große Interesse und Engagement, das alle teilnehmenden Familien während der ganzen Stipendienzeit zeigen, beweisen die Effektivität und Nachhaltigkeit der Konzeption. Achtung, Respekt und Wertschätzung zeigen sich als wesentliche Erfolgsfaktoren, die darüber hinaus in hohem Maße das Gefühl der Zugehörigkeit und Akzeptanz stärken.

Jurymitglieder

  • Staatsminister Jörg-Uwe Hahn, Hessisches Ministerium der Justiz, für Integration und Europa
  • Horst Cronauer, Redaktionsleiter, Axel Springer AG Bild Frankfurt
  • Dr. Marika de Feo, Corriere della Sera
  • Werner D’Inka, Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH
  • Joachim Frank, DuMont Mediengruppe
  • Kenan Kubilay, IHLAS Media & Trade Center GmbH
  • Ahmet Külahci, Dogan Media International GmbH
  • Dr. Helmut Reitze, Intendant des Hessischen Rundfunks

Ansprechpartner der Preisträger

  • „Erica`s Manna Mobil e. V.”, Wiesbaden
    Frau Gabriele Abshagen, Tel.: 0611 / 73424014, info@mannamobil.de
  • Programm „Elternbegleitung von Anfang an“, Bad Nauheim
    Herr Mohamed Mokhfi, Tel.: 06032 / 9387965, mohamed.mokhfi@bad-nauheim.de
  • Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e. V., Frankfurt
    Frau Claudia Khalifa, Tel.: 069 / 7137560, frankfurt@verband-binationaler.de
  • Diesterweg-Stipendium, Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Frankfurt
    Frau Gisela von Auer, Tel.: 069 / 78988925, vonauer@sptg.de

Kontakt für Pressevertreter

Pressesprecher: 
Dr. Hans Liedel