Tierwohl

„Hessen fördert artgerechte Tierhaltung in der Landwirtschaft“

Ministerin Priska Hinz zieht positive Zwischenbilanz zum Runden Tisch Tierwohl

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Zwei Hennen
Zwei Hennen
© Magdalena Fröhlich Bioland e.V.

„Wir wollen tiergerechte Bedingungen in allen Bereichen der landwirtschaftlichen Tierhaltung etablieren. Das beginnt bei der Zucht und geht über die Haltung bis hin zum Transport und Schlachtung. Unser Ziel ist es, unnötiges Leid zu vermeiden und die Unversehrtheit der Tiere sicher zu stellen“, sagte Landwirtschaftsministerin Priska Hinz heute in Wiesbaden bei der Vorstellung der Zwischenbilanz des „Runden Tischs Tierwohl“. Die Verbesserung des Tierwohls ist ein Kernanliegen der Landesregierung in der Agrarpolitik. „Wir sind angetreten, um alle vorhandenen Spielräume auf Landesebene zu nutzen und eine aktive Politik zum Schutz der Tiere und ihrer Gesundheit zu betreiben. Aus diesem Grund haben wir 2015 in Hessen alle relevanten Akteure z. B. den Hessischen Tierschutzbeirat, die Landwirtschaftsverbände, den Landestierschutzverband, Vertreterinnen und Vertreter von Tierzuchtverbänden, Direktvermarkter, die Landestierärztekammer und die Landestierschutz-Beauftragte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ministeriums und der Regierungspräsidien zur Teilnahme am Runden Tisch eingeladen um erstmals gemeinsam und gleichberechtigt über die anstehenden Probleme der tiergerechten Haltung von Nutztieren in der modernen Landwirtschaft zu diskutieren.

Im ersten Jahr bereits einiges erreicht

Der Runde Tisch hat in seinem ersten Jahr bereits einiges erreicht. Mit dem hessischen Verband der Geflügelwirtschaft hat das Land eine Vereinbarung zum Ausstieg aus dem Schnabelkürzen bei Legehennen erreicht. Der Verzicht auf dieses Verfahren – mit denen eine gegenseitige Verletzung der Tiere verhindert werden soll – macht eine Umstellung der Haltung und eine intensivere Betreuung nötig, damit sich die Hühner im Stall untereinander nicht an- oder totpicken. „Wir haben mit dem Geflügelwirtschaftsverband Hessen eine gemeinsame Vereinbarung verhandelt, die einen verbindlichen Weg zum Ausstieg aus dem Schnabelkürzen beschreibt. Ich freue mich sehr, diese Vereinbarung heute für das Land unterzeichnen zu können“, erklärte Ministerin Hinz. Um die Geflügelbetriebe in Hessen dabei zu begleiten und zu unterstützen wurde eigens ein neues Beratungsangebot entwickelt, das der Landesbetrieb Hessische Landwirtschaft (LLH) allen tierhaltenden Betrieben kostenlos zur Verfügung stellt.

Ein ähnliches Verfahren gilt auch für den Verzicht auf das „routinemäßige“ Kürzen des Schwanzes bei Ferkeln. Diese Praxis findet leider allzu oft Anwendung, um gegenseitig zugefügte Bissverletzungen zu verhindern. Um dieses Risiko auch bei nicht amputierten Ringelschwänzen zu verringern, bedarf es vielfältiger Änderung im gesamten Stallmanagement. Darunter fallen sowohl bauliche Änderungen der Ställe, eventuelle Umstellungen in der Fütterung, aber auch eine Schulung der Tierhalter, um auffällige Verhaltensmuster der Tiere frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu handeln. Diese Inhalte werden sukzessive allen Betrieben vermittelt.

Der Weg zu besseren Haltungsbedingungen ist unumkehrbar

„Der Weg zu besseren Haltungsbedingungen ist unumkehrbar, denn nicht nur die Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern auch der Handel setzt zunehmend auf Produkte aus tiergerechter Haltung. Die Einstellung „Hauptsache Fleisch - Hauptsache billig“ müssen wir grundlegend ändern“, sagte die Ministerin. Innerhalb der Gremien des Runden Tisches wurden in Hessen bereits Lösungen für mehr tiergerechte Haltungsbedingungen getroffen. So wurde eine gemeinsame freiwillige Vereinbarung mit der Landwirtschaft geschlossen, dass Kälber künftig nur noch dann enthornt werden sollen, wenn ihnen vorher Schmerz- und Beruhigungsmittel verabreicht werden. Zudem hat die Landesregierung die Tötung männlicher Eintagsküken untersagt, und zwar ab dem Zeitpunkt, wenn ein praxistaugliches Verfahren zur frühzeitigen Geschlechtserkennung zur Verfügung steht.

Basierend auf einem Beschluss des Runden Tisches hat Hessen einen Antrag im Bundesrat zum Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung bei Rindern eingebracht. Dieser fand im Bundesrat eine breite Mehrheit – allerdings hat Bundesminister Schmidt seither erklärt, hier keinen Handlungsbedarf zu sehen. „Diese Entscheidung des Bundesministers ist eine herbe Enttäuschung und steht im Widerspruch zu seinen öffentlichen Aussagen. Noch Anfang des Jahres hat er Arbeitsgruppen gebildet, die sich für mehr Tierwohl in der Landwirtschaft einsetzen. Viel mehr als diese Willensbekundung ist seither nicht geschehen“, so Ministerin Hinz. In Hessen werden derzeit noch immer rund 9000 Rinder ganzjährig im Stall angebunden. „Solche Haltungssysteme, in denen Tiere ständig angebunden stehen müssen, sind besonders belastend und einschränkend für die Tiere. Sie widersprechen dem Tierwohl und stehen auch nicht für eine moderne Landwirtschaft“, betonte Hinz. „Für Rinder ist eine solche Haltungsform ohne jeden Weidegang oder Auslauf nicht tiergerecht. Deshalb machen wir uns für ein Verbot stark. Um Härtefälle zu vermeiden, hatten wir eine Übergangsfrist von 12 Jahren vorgeschlagen.“

Das Tierwohl ist längst keine rein ethische, sondern auch eine ökonomische Frage. Erzeugerbetriebe können auch davon profitieren, weil die Zahl der Verbraucherinnen und Verbraucher – aber auch der Lebensmitteleinzelhändler – steigt, die bei ihren täglichen Kaufentscheidungen auf das Tierwohl achten. Sie wollten „kein Fleisch um jeden Preis“, sondern seien bereit, für gute Lebensbedingungen der Tiere an der Ladenkasse mehr zu bezahlen. Dies eröffne den Erzeugern neue Chancen im Wettbewerb.

Betriebe und Tierhalter nicht allein lassen

Der Runde Tisch Tierwohl hat tierartspezifische Arbeitsgruppen eingerichtet. Der Sprecher der Arbeitsgruppe „Rind, Ziege und Schaf“, Hans-Joachim Herrmann (Wetzlar), verwies auf das Ziel, dass in Hessen keine Bullenschwänze mehr amputiert werden. Er würdigte ferner die Anstrengungen der Landesregierung zum dauerhaften Ausstieg aus der Anbindehaltung bei Rindern. Michael Herdt (Büdingen), Sprecher der Arbeitsgruppe „Geflügel“, äußerte sich zufrieden mit der Verstärkung des Beratungsangebots. Im Blick auf die zu erwartenden Umstellungen beim Ausstieg beim Schnäbelkürzen sei es wichtig, dass die Betriebe und Tierhalter nicht allein gelassen werden. Die Arbeitsgruppe „Schweine“ wird von Gerhard Quanz (Bad Hersfeld) geleitet. Er beschäftigt sich ebenfalls mit den Beratungsangeboten, sowie mit dem Ausstieg aus der Ringelschwanzkürzung.

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