Wilhelm Leuschner-Medaille

Botschafter von Frieden und Versöhnung

01.12.2013Hessische Staatskanzlei

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Wilhelm Leuschner-Medaille
Verleihung der Wilhelm Leuschner-Medaille im Schloss Biebrich.
© Staatskanzlei/Sebastian Trapp

Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat heute Professor Dr. Raphael Gross, Direktor des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums in Frankfurt am Main, Professor Dr. Harald Müller von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung und Professor Dr. Dieter Bingen, Direktor des Deutschen Polen-Instituts, mit der Wilhelm Leuschner-Medaille ausgezeichnet. In seiner Laudatio im Wiesbadener Schloss Biebrich erklärte der Regierungschef: „Wir ehren heute drei Wissenschaftler, die sich auf unterschiedlichen Forschungsgebieten verdient gemacht haben. Es vereint sie aber, dass sie durch ihre Arbeit Botschafter des Friedens und der Versöhnung geworden sind. Ihre Lehren zeigen, dass unsere heute friedliebende Gesellschaft nichts Selbstverständliches ist und dass unsere Werte immer wieder aufs Neue verteidigt werden müssen. Sie sind Vorbilder und bieten anderen Menschen Orientierung. Die Professoren Raphael Gross, Harald Müller und Dieter Bingen sind Demokraten im Geiste Wilhelm Leuschners und würdige Träger der höchsten Auszeichnung, die unser Land zu vergeben hat“, sagte der Ministerpräsident.

Die Wilhelm Leuschner-Medaille wurde 1965 zum ersten Mal verliehen. Der ehemalige Ministerpräsident Georg August Zinn stiftete die Medaille am 29. September 1964, dem
20. Todestag Leuschners. Sie wird am hessischen Verfassungstag, dem 1. Dezember verliehen und geht an Menschen, die sich beispielhaft und nachhaltig für die Demokratie eingesetzt haben und unseren Staat, unsere Gesellschaft und unsere Kultur in vorbildlicher Weise geprägt haben.

Professor Dr. Raphael Gross

Raphael Gross wurde 1966 in Zürich geboren. In den Jahren 1986 bis 1990 studierte er Geschichte an den Universitäten von Zürich, Berlin, Bielefeld und in Cambridge (Vereinigtes Königreich). Danach war er Research Fellow am Franz Rosenzweig Institut der Hebräischen Universität Jerusalem und Stipendiat am Hamburger Institut für Sozialforschung. Es folgte der Abschluss der Promotion in Essen im Mai 1997 mit der Arbeit „Carl Schmitt und die Juden. Strukturen einer deutschen Rechtslehre“. Von 1997 bis 2001 war Gross wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Ruhr-Universität Bochum. In den Jahren 2001 bis 2006 lehrte er an der University of Sussex, zuletzt als Reader in History und Direktor des Center for German-Jewish Studies. Seit Januar 2001 ist Gross Direktor des Leo Baeck Institute London, dessen Auftrag es ist, die Geschichte und die Kultur der deutschsprechenden Juden zu erforschen.

„Sie leisten Bemerkenswertes in der wissenschaftlichen Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen, in praktischer Gedächtnis- und Erinnerungsarbeit, die gerade für junge Menschen so wichtig ist“, so Ministerpräsident Bouffier. Im Februar 2006 übernahm Gross eine weitere Stelle als Direktor des Jüdischen Museums in Frankfurt am Main und seit April 2007 eine dritte Leitungsstelle als Direktor des Fritz Bauer Instituts, einer Forschungs-, Dokumentations- und Bildungseinrichtung zur Geschichte der nationalsozialistischen Massenverbrechen und deren Wirkung bis in die Gegenwart. Es hat seinen Sitz im IG Farben-Haus auf dem Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Raphael Gross ist Honorarprofessor an der Goethe-Universität sowie Reader im Fach Geschichte am Queen Mary College (University of London).

Professor Dr. Harald Müller

Harald Müller wurde 1949 in Frankfurt am Main geboren. 1967 nahm er ein Studium der Germanistik, Soziologie, Philosophie und Politikwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main auf und legte 1975 sein Erstes Staatsexamen ab. Seit 1976 ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) mit Sitz in Frankfurt am Main. 1981 folgte der Abschluss der Promotion an der Goethe-Universität.

Seit 1984 ist Müller Gastprofessor am Center for International Relations der Johns Hopkins University, Bologna/Italien. In den Jahren von 1984 bis 1986 war er Abteilungsleiter für Sicherheitspolitik am Centre for European Policy Studies, Brüssel. Im Jahr 1994 folgte die Habilitation in Politikwissenschaft an der Technischen Hochschule Darmstadt und eine sich anschließende vierjährige Tätigkeit als Privatdozent.

Seit dem Jahr 1995 ist Müller Forschungsgruppenleiter und Vorstandsmitglied der HSFK. Ein Jahr später wurde er Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der HSFK. „Ihre Expertise wird international geschätzt. Es ist Ihnen zu verdanken, dass die Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung weit über unsere Grenzen hinaus einen hervorragenden Ruf genießt“, so Bouffier. Seit 1999 lehrt Müller als Professor für Internationale Beziehungen an der Goethe-Universität. Gastprofessuren absolvierte er an der Hebrew University Jerusalem (2010) und Sciences Politiques Paris (2013).

Professor Dr. Dieter Bingen

Dieter Bingen wurde 1952 in Köln geboren. Von 1973 bis 1978 studierte er Politische Wissenschaft, Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Sozio­logie und Erziehungswissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Univer­sität Bonn. Im Jahr 1977 absolvierte Bingen einen Forschungsaufenthalt in Warschau und Posen. Zwei Jahre später promovierte er an der Universität Bonn. Danach war er von 1981 bis 1999 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien (Forschungsbereich II: Ostmittel- und Südosteuropa) in Köln tätig. Parallel hatte er von 1984 bis 1994 eine Lehrbeauftragung für Politische Wissenschaft an der Universität Bonn inne. Er war 1988 Mitgründer der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bonn e.V., und deren erstes geschäftsführendes Vorstandsmitglied. Seit März 1999 ist er Direktor des Deutschen Polen-Instituts (DPI) mit Sitz in Darmstadt. „Sie sind Inspirator und Moderator einer deutsch-polnischen Freundschaft, die für uns heute nicht mehr wegzudenken ist. Für Ihren Einsatz zur Verständigung zwischen unseren Ländern danke ich Ihnen von Herzen“, sagte der Regierungschef.  

Seit 2004 ist Bingen Honorarprofessor für das Gebiet „Kultureller Wandel und gesellschaftliche Transformationsprozesse in Europa“ an der Hochschule Zittau/Görlitz und seit 2012 Gastprofessor für Politikwissenschaft an der Technischen Universität Darmstadt. Seine Forschungsschwerpunkte sind polnische Zeitgeschichte und Politik, das Politische System Polens, Religion und Kirche in Polen nach 1945, Polnische Außen- und Sicherheitspolitik, Politische Systeme und Systemtransformation in Ostmittel- und Südosteuropa sowie deutsch-polnische Beziehungen und Integrationspolitik in Europa.

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