Feierstunde

100. Geburtstag Wolfgang Lauinger

Staatssekretär Kai Klose: „Unermüdlicher Einsatz für Toleranz ist Wolfgang Lauingers Lebensleistung – Wirkung über seinen Tod hinaus.“

Anlässlich des Geburtstags von Wolfgang Lauinger, der am 5. September 100 Jahre alt geworden wäre, erklärte der Bevollmächtigte für Integration und Antidiskriminierung, Staatssekretär Kai Klose bei der Feierstunde heute im Gallus Theater Frankfurt: „Wolfgang Lauinger hat sich bis zuletzt mit aller Kraft für die Rehabilitierung und Entschädigung der Opfer des Unrechtsparagraphen 175 StGB eingesetzt. Er hat unserer Demokratie einen wichtigen Dienst erwiesen. Ich bin sicher, es hätte ihn gefreut, dass wir uns hier heute gemeinsam an ihn und seinen unermüdlichen Einsatz erinnern, der über seinen Tod hinauswirkt und hinauswirken wird.“

Klose bedauerte, dass es dem Rechtsstaat trotz des endlich beschlossenen Rehabilitierungsgesetzes nicht gelungen ist, ihn „vor seinem Tod zu rehabilitieren und für seine monatelange Untersuchungshaft zu entschädigen.“ Der Staatssekretär schloss sich der Haltung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes dezidiert an, die sich für eine Erweiterung der Entschädigungsregelung ausspricht, um auch jenen Menschen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, die wie Wolfgang Lauinger wegen § 175 in Untersuchungshaft saßen.

„Wolfgang Lauinger ist für mich in seinem Kampf für Freiheit und Akzeptanz aktueller denn je. Er steht durch seine eigene Biografie für so viel erlittenes Unrecht. Ob als „Halbjude“ oder schwuler Mann, immer war er Repressalien ausgesetzt, weil er war, wer er war. Sein eigener Vater hat ihm gesagt, in der Familie sei für Homosexuelle kein Platz. Sein Vermächtnis ist auch unsere Verpflichtung, uns mit aller Kraft gegen Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus, Homophobie und Rassismus einzusetzen“, so Klose. „Sein persönlicher Mut, seine Widerstandskraft, sein feiner Humor und seine ausgeprägte Menschenfreundlichkeit beeindruckten viele Menschen und auch mich sehr. Es berührt mich, dass unser letztes Zusammentreffen im November am Rande der Ausstellungseröffnung zu den Opfern des ehemaligen § 175 StGB in Hessen stattfand. Ich bin ihm dankbar, dass er an dieser Veranstaltung im Hessischen Landtag im Wissen darüber teilnahm, dass sein Antrag auf Rehabilitierung gerade abgelehnt worden war.“

Über Wolfgang Lauinger

Wolfgang Lauinger hat sich in einer Lebensphase, in der viele Menschen sich aus dem öffentlichen Leben zurückziehen, entschieden, seine Biographie öffentlich zu machen. Als sogenannter „Halbjude“, als Swingkid und als schwuler Mann war seine Vita von Jugend an geprägt von Freiheitswillen und Widerstand gegen Konventionen. Wolfgang Lauinger war in der Lage, den Wert von Demokratie und Menschenrechten anhand seines Lebensweges authentisch zu vermitteln. Er legte großen Wert darauf, damit junge Menschen zu erreichen, was ihm in außergewöhnlicher Weise gelang. Für dieses zutiefst demokratische, soziale und pädagogische Engagement erhielt er im Jahr 2008 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

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