Rat für Digitalethik

Vier Thesen zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz

Vorsitzende des Rats für Digitalethik, Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus: „Grundlage für eine gute Diskussion sind mehr Wissen, Kompetenz und Praxis.“

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Hände halten unterschiedliche mobile Endgeräte
© Rawpixel / istockphoto.com

Das Navigationssystem schlägt die beste Route im Straßenverkehr vor, das Handy schlägt uns Wörter beim Nachrichtenschreiben vor: Jeder nutzt Künstliche Intelligenz (KI) jeden Tag, selbstverständlich und unbewusst. KI entwickelt sich zur Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts, da sie Lösungen für viele gesellschaftliche Herausforderungen bieten kann. Doch diese Lösungen können nur ihr Potential entwickeln, wenn Menschen ihnen vertrauen. Der Rat für Digitalethik, der sich mit ethischen Aspekten der Digitalisierung im Interesse der Bürgerinnen und Bürger beschäftigt und die Hessische Landesregierung berät, hat daher nun ein Thesenpapier zur vertrauenswürdigen Entwicklung und den verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz verabschiedet.

„Künstliche Intelligenz macht unser Leben einfacher, komfortabler und besser – manchmal ohne dass wir es merken. Wir müssen daher als Gesellschaft nicht nur die Chancen von KI diskutieren, sondern auch die Risiken“, sagt die Vorsitzende des Rats für Digitalethik, Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus. „Grundlage für eine gute Diskussion sind mehr Wissen, Kompetenz und Praxis. Daher danke ich den Mitgliedern des Rats für Digitalethik für das Thesenpapier, das in die weiteren KI-Aktivitäten der Hessischen Landesregierung einfließen soll.“

„Vertrauen in KI-gestützte Technologien verbessern“

Als Einführung zur Erarbeitung des Thesenpapiers haben als Ratsmitglied Christina Kraus, Gründerin von meshcloud, und als externer Experte Dr. Bruno Gransche, Universität Siegen und Karlsruher Institut für Technologie, mit zwei Vorträgen zentrale Fragestellungen und Ansatzpunkte umrissen. „Unser Thesenpapier öffnet Themenfelder zum Diskurs zwischen Politik und Gesellschaft, um die Akzeptanz und das Vertrauen in KI-gestützte Technologien zu verbessern“, erläutert Christina Kraus. „In Hessen können wir dazu beitragen, indem wir mehr Technologiekompetenz aufbauen, sowie hessische Innovationen aus dem Bereich KI fördern, um die Marktvielfalt zu stärken und Europa international als aktiven Player im Bereich KI zu etablieren.“

Vier Thesen des Rats für Digitalethik

Die vier Thesen wurden in einer Diskussion der Ratsmitglieder identifiziert. Erstens erfordern die kritische Reflexion und das Vertrauen in KI-Technologien noch mehr Wissen und Kompetenzen bei den Bürgerinnen und Bürgern, um KI-basierte Produkte und Dienste souveräner und bewusster zu nutzen. Jeder Einzelne müsse befähigt werden, mit KI umzugehen, denn nur so könne diese das Leben auch in Zukunft besser machen.

Zweitens braucht es mehr digitale Selbstbestimmung – durch mehr Informiertheit, mehr Kompetenz, mehr Wahlmöglichkeiten, mehr Freiwilligkeit und einen geeigneten regulatorischen Rahmen. Was in der analogen Welt gelte, müsse auch in der digitalen gelten: Jede und jeder hat das Recht, sein Leben selbstbestimmt zu leben. Die Ratsmitglieder erwarten daher von der Politik – vor allem auf europäischer Ebene – den Rahmen zu setzen. Die Regeln müssten die Freiheit des Einzelnen schützen, digitale Selbstbestimmung unterstützen und gleichzeitig Innovationen ermöglichen.

Weil die Menschen vertrauensvolle und wertebasierte KI benötigen, brauchen wir hierfür mehr Forschung, lautet die dritte Forderung des Rats. „Die Ausgangslage dafür in Hessen ist gut, die interdisziplinäre KI-Forschung stark, auch Dank der Förderung der Hessischen Landesregierung. Zu nennen sind hier insbesondere hessian.AI, das Hessische Zentrum für Künstliche Intelligenz, sowie ZEVEDI, das Zentrum verantwortungsbewusste Digitalisierung, das eng mit dem Zentrum für Künstliche Intelligenz zusammenarbeiten wird“, erläutert Ministerin Sinemus.

Mit der vierten These fordert der Rat für Digitalethik fairen Wettbewerb und ein stärkeres hessisches Innovations-Ökosystem, um mehr Marktvielfalt zu erreichen. Denn Europa sei abhängig von KI-Technologien marktdominanter Unternehmen. Die Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen müssten die Freiheit haben, zwischen Produkten, Anwendungen und IT-Infrastrukturen zu wählen, die sich an europäisches Recht halten. Nur so könne Vertrauen in KI entstehen.

„Dem Rat für Digitalethik geht es darum, einen selbstbestimmten Umgang mit KI zu ermöglichen, um ihre Potenziale verantwortlich zu nutzen. Das fördert Hessen als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort. Er will mit seinem Thesenpapier in Hessen eine sachorientierte Debatte über KI anstoßen und hofft auf entsprechende Resonanz in der Öffentlichkeit“, betont Prof. Dr. Martin Hein, Mitglied der Steuerungsgruppe innerhalb des Rats für Digitalethik.

Hintergrund

Der Rat für Digitalethik wurde im Herbst 2018 von der Hessischen Landesregierung gegründet, um ethische Aspekte der Digitalisierung im Interesse der Bürgerinnen und Bürger zu identifizieren. Die Mitglieder sind Expertinnen und Experten aus Gesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien. Das Gremium berät die Hessische Landesregierung bei der Umsetzung von Digitalisierungsprojekten und insbesondere bei der Fortschreibung und Umsetzung der Digitalstrategie des Landes Hessen. Er befasst sich mit ausgewählten Themen zur Gestaltung der digitalen Transformation.

Auf unserer Webseite finden Sie zur Erläuterung der Thesen Kurzvideos mit Statements der Ministerin sowie Prof. Dr. Martin Hein und Christina Kraus, Mitglieder des Rats für Digitalethik. Weiterführende Informationen zum Rat für Digitalethik sowie zu seinen Mitgliedern gibt es ebenfalls unter https://digitales.hessen.de/digitale-zukunft/rat-fuer-digitalethik

Kontakt für Pressevertreter

Pressesprecher: 
Markus Büttner
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