30 Jahre Deutsche Einheit

Staatsminister Wintermeyer eröffnet Fotoausstellung

28.09.2020Hessische Staatskanzlei

„Es ist wichtig, die Erinnerung an die historischen Momente der Wiedervereinigung weiterzugeben – mit diesen Fotos gelingt das.“

Staatsminister Wintermeyer eröffnet Fotoausstellung und ehrt Sieger des Wettbewerbs
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Der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, zeigt sein Lieblingsfoto. Es stammt von Klaus Scholz aus Meinhard, der persönlich nicht an der Ausstellungseröffnung teilnehmen konnte.
© Staatskanzlei

30 Jahre Deutsche Einheit – das ist ein historischer Anlass, um zurückzublicken. Um die Erinnerung an das geteilte Deutschland, den Fall der Mauer und die Wiedervereinigung wach zu halten, hat der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, heute eine Fotoausstellung auf dem Wiesbadener Kranzplatz eröffnet. Die Bilder stammen aus einem Wettbewerb, zu dem die Staatskanzlei aufgerufen hatte. Eine unabhängige Jury hat aus mehr als 150 eingesandten Motiven fünf Siegerfotos ausgewählt. Sie stammen von Bernd Mengel aus Wehretal, Klaus Scholz aus Meinhard, Frau Ruhlandt aus Wanfried (Werra-Meißner-Kreis), Thomas Witte aus Schwalmstadt (Schwalm-Eder-Kreis) und Perry Wunderlich aus Saalfeld in Thüringen.

Es sind Bilder, die berühren: Eine Frau mit Blumen in der Hand, die einen Grenzpolizisten fest in die Arme schließt. Ein Mann mit strahlendem Lächeln, der mit Hammer und Meißel an der gefallenen Berliner Mauer klopft. Winkende Trabi-Fahrer auf dem Weg in den Westen.

Eintauchen in die Geschichte

„Mit dieser Fotoausstellung tauchen wir in die Geschichte der Deutschen Einheit ein. Wenn ich an die Euphorie dieser Wendezeit vor drei Jahrzehnten zurückdenke, erfüllt mich tiefe Dankbarkeit. Es ist wichtig, die Erinnerung an diese wahrlich historischen Momente weiterzugeben. Mit diesen Fotos gelingt das. Die Bilder zeugen vom großen Glück unseres Landes und geben auch einen Einblick in die unterschiedlichen Lebenswelten diesseits und jenseits der Mauer. Wir wollen vor allem der jungen Generation diesen Meilenstein deutscher Geschichte vermitteln. Der Mauerfall hat nicht nur Deutschland, er hat ganz Europa vereint“, sagte Staatsminister Wintermeyer und erinnerte auch an die Bürgerinnen und Bürger, die dies mit ihrem mutigen Protest erst möglich gemacht haben

„Die Menschen im Osten haben die DDR zu Grabe getragen. Beseelt vom übermächtigen Wunsch auf einen Neubeginn haben sie das Unrechts-Regime gestürzt. Friedlich, ohne dass ein einziger Schuss gefallen ist. Dafür gebührt ihnen noch heute großer Respekt.“

An der Eröffnung der Ausstellung, die insgesamt 118 Fotos zeigt und von VRM-Chefredakteur Stefan Schröder moderiert wurde, nahmen Schülerinnen und Schüler des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums Bad Homburg teil. Sie errichteten symbolisch eine Mauer. Auf den aus Pappkartons gestalteten Mauerstücken hatten sie zuvor ihre Gedanken zum Wiedervereinigungs-Jubiläum sichtbar gemacht. Eine Friedenstaube ist beispielsweise zu sehen, ein schwarz-rot-goldenes Herz, der Satz „Wir sind ein Volk“ unter dem Bild des berühmten Bruderkusses zwischen Breschnew und Honecker.

Geschichte lebendig werden lassen

Zeitzeugen der menschenverachtenden Diktatur sind Berthold Dücker (72 Jahre) und Jürgen May (78), die beide in den 60er Jahren aus der DDR geflohen waren. Mit öffentlichen Auftritten setzen sie sich dafür ein, Geschichte lebendig werden zu lassen. „Es gibt Schüler, die von der Mauer und dem geteilten Deutschland noch nie etwas gehört haben“, sagte Dücker, der bis 2009 Vorstandsvorsitzender des Fördervereins und bis 2016 Vorsitzender des Stiftungsrats der Gedenkstätte Point Alpha im thüringischen Geisa war. Er wollte Journalist werden, schnitt im Alter von 16 Jahren mit einer Kneifzange den Stacheldraht an der Grenze durch und flüchtete über das Minenfeld nach Hessen. Jürgen May, ein international erfolgreicher Leichtathlet und Weltrekordhalter, versteckte sich im Hohlraum eines Cadillacs, der in die Bundesrepublik einreiste. Er arbeitete später als Amtsleiter für Bildung, Kultur und Sport im Main-Kinzig-Kreis.

Zwei der fünf Preisträger des Fotowettbewerbs sind für die Ausstellungseröffnung persönlich nach Wiesbaden gekommen und wurden vom Chef der Staatskanzlei in Wiesbaden geehrt. Frau Ruhlandt aus Wanfried hat die Grenzöffnung im November 1989 am Bahnhof Großburschla erlebt. „Ich habe mich damals als Erste getraut, über den Zaun zu steigen und den Grenzern Blumen überreicht“, erzählte die 69-Jährige, die im Alter von zehn Jahren mit ihren Eltern über Berlin in den Westen geflüchtet ist.

Friedliche Revolution

Thomas Witte aus Schwalmstadt hat die Abnahme eines DDR-Emblems am Kreisverwaltungsamt der Kreisstadt Parchim in Mecklenburg-Vorpommern fotografiert. Er war als 15-Jähriger mit dem Fahrrad unterwegs und hatte zufällig eine Kamera dabei. „Als Jugendlicher hatte ich mich im Herbst 1989 aktiv an den Demonstrationen beteiligt, beim Tragen von Transparenten sowie Menschen- und Lichterketten. Fast immer geschah dies abends und damit bei Dunkelheit und Kälte, immer friedlich. Ein wogendes Meer von Menschen und Kerzen durch enge Altstadtgassen mit langen Reden auf den Plätzen, wo die Demonstrationszüge endeten“, erinnerte er sich.

„Die Deutsche Einheit ist auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung noch nicht vollkommen. Die Spuren der jahrzehntelangen Trennung sind auch heute noch nicht gänzlich aus den Herzen und Köpfen verschwunden, aber sie verblassen immer mehr. Wir dürfen jedoch nie vergessen, dass Freiheit und Demokratie nicht selbstverständlich sind und es wichtig ist, sich mit Worten und Taten dafür einzusetzen. Diese Ausstellung wird uns in den kommenden Wochen daran erinnern“, sagte Staatskanzlei-Chef Wintermeyer.

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