Auszeichnung

Engagierte Bürger mit dem Hessischen Verdienstorden geehrt

09.08.2018Hessische Staatskanzlei

Ministerpräsident Volker Bouffier würdigt das Engagement von Prof. Dr. Hans-Dietrich Klenk aus Großen-Linden, Dr. Jürgen Leib aus Wettenberg und Prof. Dr. Wolfgang Weidner aus Gießen.

Klenk
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Ministerpräsident Volker Bouffier überreicht Prof. Dr. Hans-Dietrich Klenk das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
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Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat heute vier Bürgern den Verdienstorden der Bundesrepublik überreicht und drei weitere mit dem Hessischen Verdienstorden ausgezeichnet. Aus dem Landkreis Gießen stammten dabei Prof. Dr. Hans-Dietrich Klenk aus Großen-Linden, Dr. Jürgen Leib aus Wettenberg und Prof. Dr. Wolfgang Weidner aus Gießen. „Die Geehrten haben sich in besonderem Ausmaß um die Gesellschaft verdient gemacht. Ohne eine Gegenleistung zu verlangen, schreiten sie mit großem persönlichen Einsatz zur Tat und stellen ihre wertvolle Zeit in den Dienst der Gemeinschaft. Ihr Handeln über Jahre und Jahrzehnte hinweg ist bespielhaft. Die heute Geehrten sind mit Recht Vorbilder. Ich freue mich, wenn sie noch lange Zeit für die Gesellschaft aktiv sein können“, sagte der Ministerpräsident anerkennend. „Ehrenamtliches Engagement ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält.“

Professor Dr. Hans-Dietrich Klenk aus Großen-Linden erhielt das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Der heute 80-Jährige Virologe engagiert sich in der medizinischen Forschung. Er lehrte an der Philipps-Universität Marburg und war geschäftsführender Direktor des Medizinischen Zentrums für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie am Klinikum der Philipps-Universität. Im Jahr 2008 ging er in den Ruhestand. Der weltweit anerkannte Virologe engagiert sich als Mitglied im Hochschulrat der Justus Liebig-Universität Gießen und als Vizepräsident der Behring-Röntgen-Stiftung in Marburg für Entwicklungsperspektiven in Forschung und Lehre der Universitätsmedizin. Im September 2006 wurde die von Behring-Röntgen-Stiftung mit Sitz in Marburg gegründet. Prof. Dr. Klenk amtiert seit Dezember 2006 als Vizepräsident dieser Stiftung. „Sein Engagement ist vorbildlich und immer am Wohle der Stiftung orientiert. Besonders hervorzuheben sind seine Bemühungen, die Medizinregion Mittelhessen stärken zu wollen“, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier. „Prof. Dr. Klenk ist als langjähriger Leiter des Instituts für Virologie am Fachbereich Humanmedizin der Philipps-Universität nicht nur in Marburg, sondern auch in Gießen eine ebenso angesehene wie geschätzte Persönlichkeit. Seine langjährige Tätigkeit, sowohl im Hauptberuf als auch in besonderer Weise im Ehrenamt, hat maßgeblich dazu beigetragen, dass es mittlerweile ein verstärktes Zusammenwirken der Universitäten Gießen und Marburg bei der Forschung und Lehre in der Medizin gibt“, sagte Bouffier.

Prof. Dr. Klenk widmet sich schwerpunktmäßig der Entschlüsselung der Biologie und Funktionsweise von Grippevirus-Typen, Paramyxoviren und Filoviren. Seine Arbeiten, die er während der vergangenen 40 Jahre publiziert hat, bilden die Grundlage für das Verständnis der krankheitsauslösenden Prinzipien von Influenzaviren. Ein zweiter Schwerpunkt seiner Arbeiten sind Viren, die schwerste und in vielen Fällen tödliche Erkrankungen auslösen, wie das Ebola- und Marburg-Virus. Gemeinsam mit der Hochschulleitung initiierte er erfolgreich den Bau eines Labors, in dem die Bearbeitung des Marburg-Virus möglich war. Damit legte er die Grundlage für die Erforschung von tropischen Viren an einer Universität. Das Labor an der Marburger Philipps-Universität wurde nach 20 Jahren 2008 durch ein modernes BSL-4-Labor ersetzt. „Beide Bauten gehen auf das unermüdliche und engagierte Wirken von Prof. Dr. Klenk zurück. Nicht zuletzt ist es seiner Initiative zu verdanken, dass Marburg heute über dieses Speziallaboratorium verfügt, das zu den weltweit modernsten Einrichtungen seiner Art zählt“, sagte der Hessische Ministerpräsident.

Mit diesen strategischen Entscheidungen war die Grundlage für die Erforschung von hochpathogenen Viren in Marburg gelegt, die seit 25 Jahren den Fokus der dortigen Virologen bildet. Auf diesem Gebiet konnte Prof. Dr. Klenk ebenfalls wichtige wissenschaftliche Beiträge liefern. Seine Forschungsarbeiten waren von Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere an international ausgerichtet. Sein Engagement war entscheidend für die chinesisch-deutschen Wissenschaftsbeziehungen. Prof. Dr. Klenk hatte im Laufe seines Lebens eine Reihe sehr renommierter Ämter inne: So war er unter anderem von 1999 bis zum Jahr 2005 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Virologie.

Prof. Dr. Klenks richtungsweisende molekularbiologische Erforschung von Influenza-Viren wurde im Jahr 2010 mit dem Emil von Behring-Preis ausgezeichnet. Darüber hinaus erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, wie beispielsweise den Preis der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (1985), die Robert-Koch-Medaille in Gold (2006) oder die Ernst-Jung-Medaille in Gold (2008). „Herr Prof. Dr. Hans-Dietrich Klenk hat sich überaus große Verdienste und die höchste Wertschätzung seiner Kollegen und der nationalen wie internationalen Öffentlichkeit erworben. Dieses langjährige herausragende und vielschichtige Wirken wird jetzt mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt“, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier.

Dr. Jürgen Leib aus Wettenberg erhielt den Hessischen Verdienstorden am Bande. Der pensionierte akademische Oberrat und Studiendekan engagiert sich unter anderem im sportlichen Bereich. Von 1974 bis 1986 war er Vize-Vorsitzender des TSV Krofdorf-Gleiberg und wurde unmittelbar im Anschluss zum Vereinsvorsitzenden gewählt. Dieses Amt hatte der heute 72-Jährige bis 2016 inne und ließ sich erneut zum stellvertretenden Vorsitzenden wählen. In diesen Ämtern prägt er den Verein seit nunmehr 42 Jahren. Dr. Jürgen Leib war zudem maßgeblich an der Erstellung einer Vereins-Chronik beteiligt.

Durch sein Engagement wurden einige Projekte angestoßen und ausgeführt. Hierzu gehören die 100-Jahr-Feier des Vereins 1987, der Neubau eines Kunstrasenplatzes an der Gesamtschule Gleiberger Land, der Neubau des vereinseigenen Sportlerheims sowie der Anbau mehrerer Geräteräume an die Eduard-David-Halle in Krofdorf. Weiterhin war Dr. Jürgen Leib Mitbegründer der ortsteilübergreifenden Sportgemeinschaften HSG Wettenberg, LG Wettenberg und FSG Wettenberg. In der Sportkommission des Landkreises Gießen arbeitet er seit 1997 mit. Zudem war er von 1997 bis 2003 stellvertretender Vorsitzender des Sportkreises Gießen.

Ein weiterer Schwerpunkt seines ehrenamtlichen Engagements liegt in seiner Tätigkeit als Schriftführer des lokalhistorischen Gleiberg-Vereins, die er seit 1975 ausübt. Neben Protokollen und Pressetexten wurden von ihm verschiedene Broschüren zur Geschichte der Burg Gleiberg und des Gleiberger Landes erarbeitet. Außerdem pflegt er das Archiv. Neben der organisatorischen Vorbereitung ist er auch aktiv an vielen Arbeitseinsätzen und kulturellen Veranstaltungen auf der Burg Gleiberg beteiligt.

Das über die Region hinaus bekannte Fachwissen von Dr. Jürgen Leib nutzt das Landesamt für Denkmalpflege für Schulungen. Bis zu 50 Burg-Führungen im Jahr begleitet der Geehrte. Daneben hat er sich elf Jahre lang als Schriftführer des Vetzberg-Vereins sowie als Vorstandsmitglied und stellvertretender Vorsitzender im Heimat- und Geschichtsverein Krofdorf-Gleiberg engagiert. Als Vorstandsmitglied des oberhessischen Geschichtsvereins Gießen war der 72-Jährige von 1988 bis 1998 tätig. Auch im Denkmalbeirat des Landkreises Gießen betätigte sich Dr. Leib von 1983 bis 1997.

Darüber hinaus war er 27 Jahre lang für die Marburger Geographische Gesellschaft als Schatzmeister tätig und zählt zu den Gründungsmitgliedern. Er ist zudem der Verfasser der umfangreichen Ortschronik von Krofdorf-Gleiberg: Die 700 Seiten umfassende Dokumentation wurde als Heimatbuch zur 1200-Jahr-Feier der Gemeinde erstellt. Er übernahm zudem die Gesamtgestaltung des 100-seitigen historischen Bildbandes von Wettenberg. Dr. Jürgen Leib unterstütze die Initiative „Stolpersteine“ als Schriftführer seit dem Jahr 2012. „Für sein jahrzehntelanges, unermüdliches und beispielgebendes Wirken erhält er heute den Hessischen Verdienstorden am Bande“, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier.

Prof. Dr. Wolfgang Weidner aus Gießen erhielt das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Der 70-jährige Urologe und Dekan des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen engagiert sich herausragend im medizinischen Bereich. 1999 gründete Prof. Dr. Weidner das Hessische Zentrum für Reproduktionsmedizin, begleitet es seitdem intensiv und hat es erfolgreich in die Strukturen der Justus-Liebig-Universität Gießen und des Fachbereichs integriert. Dies wurde auch durch wesentliche wissenschaftspolitische Veränderungen unterstützt, die ebenfalls maßgeblich durch Prof. Dr. Weidner initiiert wurden, wie zum Beispiel durch seine langjährige Präsidentschaft der Deutschen Gesellschaft für Andrologie, die sich mit der Fortpflanzung des Mannes beschäftigt.

Als erster hauptberuflicher Dekan des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen übernimmt Prof. Dr. Weidner seit Ende des Jahres 2015 weiterhin an zentraler Stelle Verantwortung. Dieses Amt hatte er im Nebenamt bereits von 2006 bis 2009 inne. „Professor Weidner hat sich durch sein langjähriges, beständiges und uneigennütziges Engagement als Arzt, in der Wissenschaft und in der Forschungspolitik herausragende Verdienste erworben“, sagte Volker Bouffier. Seit 1993 ist er Professor für Urologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Von 1993 bis 2015 war er Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie, Kinderurologie und Andrologie. Die Arbeitsschwerpunkte von Prof. Dr. Weidner liegen in der nicht-invasiven Behandlung via Lasertechnik von Blasen- und Nierenkrebs sowie Prostata-Erkrankungen.

Die Aktivitäten von Prof. Dr. Weidner gehen weit über die Klinik hinaus. Er engagiert sich seit geraumer Zeit in nationalen und internationalen Fachgremien. Von 2011 bis 2015 wirkte er ehrenamtlich als Vizepräsident der von Behring-Röntgen-Stiftung. Seit dem Jahr 2015 gehört er dem Kuratorium der Stiftung an. Er übt zahlreiche Ehrenämter und Funktionen aus, etwa in der Deutschen Gesellschaft für Urologie. Seit 1993 engagiert er sich in der Europäischen Akademie für Andrologie (EAA). Im Jahr 1998 war Prof. Dr. Weidner Mitglied eines Arbeitskreises des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer, der die „Richtlinien zur Durchführung der assistierten Reproduktion“ erarbeitete. Auch in der Landesärztekammer Hessen war und ist Professor Weidner aktiv. Von 2004 bis 2013 war er Mitglied im Krankenhausausschuss der Landesärztekammer. Von 2007 bis 2013 amtierte er als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Andrologie.

„Darüber hinaus unterstreicht die umfangreiche wissenschaftliche Publikationstätigkeit auf eindrucksvolle Weise Professor Weidners akademische Exzellenz und die internationale Ausstrahlung seiner Forschungsaktivitäten. Er war auch Mitherausgeber und Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Beiräten von urologischen Fachzeitschriften“, sagte der Ministerpräsident.

Herausragende Verdienste hat sich Prof. Dr. Weidner vor allem auch in der Fort- und Weiterbildung erworben. Als Vorsitzender des Arbeitskreises Andrologie der Deutschen Gesellschaft für Urologie von 1989 bis 1993 war er für die Koordination der gesamten andrologischen Forschung der deutschen Urologen verantwortlich. Seit 2005 ist Prof. Dr. Weidner Ehrenmitglied der Ungarischen Gesellschaft für Urologie. 2014 wurde er von der Staatlichen Universität Moskau zum Honorarprofessor ernannt. Für seine besonderen Verdienste im Bereich der Fort- und Weiterbildung erhielt der 70-Jährige von der Deutschen Gesellschaft für Urologie im Jahr 2000 den Felix Martin Oberländer-Preis. Weitere Auszeichnungen waren unter anderem der Urologisch-Andrologische Preis der Türkischen Gesellschaft für Urologie (2009), der Preis der Semmelweis-Universität Budapest (2010) sowie die Maximilian-Nitze-Medaille (2015), die höchste Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Urologie.

„Professor Weidner hat sich durch sein langjähriges, beständiges und uneigennütziges Engagement als Arzt, in der Wissenschaft und in der Forschungspolitik herausragende Verdienste erworben. Die Ergebnisse dieser Leistungen sind für die Allgemeinheit von großem Nutzen. Dieses herausragende Engagement wird mit der Auszeichnung mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt“, sagte der Hessische Ministerpräsident und gratulierte.

Hintergrund

Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland wird für besondere Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland sowie für Leistungen im politischen, wirtschaftlichen, sozialen und geistigen Bereich verliehen. Er gibt acht Stufen. Das Verdienstkreuz am Bande (umgangssprachlich: „Bundesverdienstkreuz“) stellt die zweite Stufe dar, das Verdienstkreuz 1. Klasse die dritte.

Der Hessische Verdienstorden wird zur Würdigung hervorragender Verdienste um das Land Hessen und seine Bevölkerung vom Hessischen Ministerpräsidenten verliehen. Es gibt zwei Ordensstufen: Hessischer Verdienstorden am Bande (niedrigere Stufe) und Hessischer Verdienstorden (höhere Stufe).

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