Auszeichnung

Ein Mann, der mutig über sein Schicksal spricht

Christoph Rickels aus Kassel leidet an den schweren Folgen eines Angriffs und berichtet jungen Menschen über das, was ihm widerfahren ist - Europaministerin Lucia Puttrich zeichnet ihn mit dem Bundesverdienstkreuz aus

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Auszeichnung mit Bundesverdienstkreuz
© Hessische Staatskanzlei/Sabrina Feige

Christoph Rickels aus Kassel ist am Donnerstag für sein außergewöhnliches persönliches Engagement mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutsch­land ausgezeichnet worden. Anlässlich des Internationalen Tages des Ehrenamts hat die Hessische Europaministerin Lucia Puttrich ihn im Auftrag des Bundespräsidenten in der Hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden ausgezeichnet. „Ihr persönliches Schicksal berührt uns alle sehr. Um so mehr bewundern wir Sie dafür, wie Sie damit umgehen und anderen davon berichten. Dafür gebührt Ihnen unser ganz besonderer Respekt“, sagte Staatsministerin Puttrich bei der Feierstunde in der Hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden.

Christoph Rickels wurde 1987 in Jever in Ostfriesland geboren. 2007 wollte er nach dem Ende der Schule eine Ausbildung bei der Bundeswehr als Feldjäger in Rotenburg an der Fulda beginnen. Doch ein schreckliches Ereignis machte seine Pläne zunichte. Während seiner Abschlussfeier in einer Diskothek spendierte er einer jungen Frau ein Getränk. Auf dem Heimweg wurde er vom eifersüchtigen Freund des Mädchens angegriffen und mit einem Faustschlag niedergestreckt. Christoph Rickels erlitt eine sehr schwere Kopfverletzung, lag vier Monate im Koma und überlebte nur knapp. Danach kämpfte er sich schrittweise zurück ins Leben, musste Essen, Sprechen, Laufen und Anderes neu erlernen. Zwölf Jahre später ist er weiter zu 80 Prozent schwerbehindert und erwerbsunfähig. Bis heute kämpft er auch mit den finanziellen Folgen des Ereignisses, weil der Täter insolvent ist.

Noch im Krankenbett und während der Intensiv-Reha entwickelte Christoph Rickels die Idee, seine Geschichte Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren zu erzählen um auf die Folgen hinzuweisen, die nur „ein Schlag“ ausmachen kann. Schon sein erster Kontakt mit Jugendlichen in einer Schulklasse war ein voller Erfolg. Die Pädagogen waren begeistert, die Schülerinnen und Schüler sehr interessiert. Durch einen Pressebericht in der Lokalzeitung wurden andere Schulen darauf aufmerksam und fragten bei ihm an.

Informationsveranstaltungen in Schulen

2010 rief Christoph Rickels die Initiative „First Togetherness“ ins Leben. Heute hält er Informationsveranstaltungen in Schulen und vor jungen Straftätern. In seinen Vorträgen stellt er seine Lebens- und Leidensgeschichte dar und geht auf die Folgen von Gewaltaktionen ein. Dabei berichtet er eindringlich und bringt in einer jugendaffinen Sprache den Zuhörern die Gefahren und möglichen Folgen von Gewaltexzessen nahe. Er geht aber auch mahnend auf die Täter.

2012 erhielt Christoph Rickels den Preis für Zivilcourage des Bundeslandes Niedersachsen, 2015 wurde er als Botschafter für Demokratie und Toleranz durch das Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt (BfDT) ausgezeichnet.

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