Naturraum Werra-Weser

Dauerhafte Lösung für Salzabwasserproblematik

Hessische Umweltministerin Priska Hinz und K+S Vorstandsvorsitzender Norbert Steiner stellen Vier-Phasen-Plan zur Salzabwasser-Entsorgung vor – Werra und Oberweser erreichen wieder Süßwasserqualität.

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Diagramm Entwicklung der Salzbelastung
Entwicklung der Salzbelastung 2015 – 2075 (bezogen auf Pegel Gerstungen)
© HMUKLV

Das Land Hessen hat sich mit dem Rohstoffunternehmen K+S auf einen Vier-Phasen-Plan zur dauerhaften Salzabwasser-Entsorgung im Werra-Kalirevier verständigt. Die heute von Umweltministerin Priska Hinz gemeinsam mit dem K+S-Vorstandsvorsitzenden Norbert Steiner vorgestellten Eckpunkte umfassen einen Regelungszeitraum bis zum Jahr 2075. Ziel der verschiedenen Maßnahmen ist es, insbesondere durch erhebliche weitere Investitionen seitens K+S, den Naturraum Werra-Weser im Sinne der Umwelt und des europäischen Wasserrechts weiter zu entlasten und die Zukunftsfähigkeit der Arbeitsplätze und der Kali-Standorte in Nordhessen zu sichern.

In Kürze:

  • Ein langfristiger Maßnahmenplan schafft einen klaren und verlässlichen Rahmen bis in die Zeit nach Stilllegung der Produktion.
  • Die Versenkung in den Untergrund endet 2021. Die lokale Entsorgung wird ab 2021 durch den befristeten Betrieb einer Leitung zur Oberweser ergänzt, um Flexibilität bei der Entsorgung der Abwässer zu gewinnen.
  • Bau einer neu entwickelten Anlage, die den Salzabwasseranfall ab Ende 2017 um 1,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr verringert.
  • Haldenabdeckung zur langfristigen und kontinuierlichen Verringerung des Haldenabwasseranfalls.
  • Werra und Oberweser erreichen am Ende der Phase 4 Süßwasserqualität.
  • Die Lösung der Salzabwasserentsorgungsproblematik wird nicht den nachfolgenden Generationen überlassen.

Diese Eckpunkte sollen in den nächsten Wochen in einem öffentlich-rechtlichen Vertrag ausgearbeitet und festgeschrieben werden. Umweltministerin Priska Hinz machte deutlich: „Wir haben es geschafft, erstmals eine dauerhafte Lösung für diese jahrelang ungelöste Problematik vorzulegen. Mit dem Vier-Phasen-Plan wird in Werra und Weser wieder Süßwasserqualität hergestellt werden.“ K+S-Vorstandschef Steiner betonte: „Heute ist ein guter Tag für unsere Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und die vielen mit K+S verbundenen Arbeitsplätze in der Werra-Region: Das Land Hessen und K+S haben sich auf einen Rahmen verständigt, der den dortigen Kalibergbau langfristig und unabhängig von politischen Konstellationen ermöglichen soll.“

Aktuelle Vereinbarungen

Mit den aktuellen Vereinbarungen wird K+S insbesondere in den Jahren 2018 bis 2021 noch einmal rund 400 Millionen Euro investieren, zusätzlich zu den umfangreichen Maßnahmen zum Gewässerschutz seit 2008. Ein erheblicher Teil davon fließt in die Planung, den Bau und den Betrieb einer befristeten Ergänzungsleitung an die Oberweser, die Ende 2021 in Betrieb gehen soll und als Ergänzung der lokalen Einleitung in die Werra bis zum Ende der Produktionszeit einen Teil der Salzabwässer des Werkes Werra transportieren wird. Der Betrieb dieser Pipeline erlaubt, die Fläche für die benötigten Stapelbecken auf etwa 25-30 Prozent der bisherigen Planungen zu reduzieren. Um das Haldenabwasser langfristig zu reduzieren, sollen die Halden abgedeckt werden. Mit der Umsetzung dieser Maßnahmen, für die ein entsprechendes Genehmigungsverfahren notwendig ist, wird für Werra und Oberweser Süßwasserqualität erreicht.

„Es wurde vereinbart, dass K+S zur Umsetzung dieser Maßnahmen Investitionen im Umfang von 400 Millionen Euro tätigt. Der Landeshaushalt wird dabei mit keinem Euro belastet. In der Lösung des Abwasserproblems gilt unumstößlich das Verursacherprinzip“, so Ministerin Hinz. Steiner unterstrich: „Wir haben die Grundlage für einen Maßnahmenplan geschaffen, der die Entsorgungsfragen der nordhessischen Kali-Standorte ein für alle Mal beantworten soll. Vor diesem Hintergrund sind wir bereit, die erheblichen zusätzlichen Aufwendungen, die eine enorme wirtschaftliche Herausforderung für uns sind, auf uns zu nehmen.“

Die vier Phasen im Überblick:

Phase 1 (Ende 2015 bis Ende 2021): Neue Anlage verringert Salzabwassermenge deutlich; Oberweser-Fernleitung soll Ende 2021 in Betrieb gehen
In Phase 1 errichtet K+S am Standort Hattorf eine Kainit-Kristallisation-Flotations-Anlage, die die bisher geplante Lösungstiefkühlung ersetzen wird. Mit dieser technischen Neuentwicklung soll die Menge der Produktionsabwässer um durchschnittlich 1,5 Millionen Kubikmeter im Jahr verringert werden.

Zur künftigen Entlastung der Werra plant und baut K+S eine Ergänzungsleitung an die Oberweser sowie Stapelbecken mit maximal 750.000 Kubikmeter Fassungsvermögen. Die Fernleitung soll Ende 2021, befristet bis 2060, in Betrieb gehen. K+S erwartet, dass hinsichtlich der Realisierung der Fernleitung Investitionssicherheit gewährleistet ist.

Es ist beabsichtigt, K+S eine letztmalige und befristete Versenkerlaubnis bis Ende 2021 zu erteilen. Voraussetzung hierfür ist die Unbedenklichkeit der Einleitung für Grund- und Trinkwasser. K+S muss dies nachweisen (unter anderem durch ein 3D-Modell). Der Umfang der Versenkung wird in sechs Jahren insgesamt circa 12 Millionen Kubikmeter betragen (jährlich etwa 2 Millionen Kubikmeter). Für das Jahr 2014 liegt das genehmigte Versenkvolumen bei 4,5 Millionen Kubikmeter.

Zur langfristigen Verringerung des Haldenabwassers werden Verfahren zur Haldenabdeckung erprobt.

Phase 2 (Ende 2021 bis Ende 2032): Oberweser-Fernleitung entsorgt Teilmengen der Salzabwässer, Versenkung endet
Zu Beginn der Phase 2 wird die befristete Oberweser-Fernleitung in Betrieb genommen. Parallel dazu wird die Versenkung in den Untergrund endgültig und dauerhaft beendet. Gleichzeitig werden die Grenzwerte zur Einleitung in die Werra im Vergleich zur ersten Phase gesenkt: der Grenzwert von Chlorid von 2.500 mg/l auf 1.700 mg/l, Kalium von 200 mg/l auf 150 mg/l und Magnesium von 340 mg/l auf 230 mg/l.

K+S schließt die Erprobung der Haldenabdeckung beziehungsweise von gleichwertig effektiven Verfahren zur Verringerung des Haldenwasseranfalls ab und initiiert entsprechende Genehmigungsverfahren.

Phase 3 (Ende 2032 bis Ende 2060): Salzgehalte in der Werra sinken weiter
Die Rohsalzaufbereitung am Standort Unterbreizbach/Thüringen wird aller Voraussicht nach im Jahr 2032 eingestellt. Dies verringert die Produktionsabwässer um eine weitere Million Kubikmeter und ermöglicht eine nochmalige Senkung der Salzgehalte in der Werra.

K+S beginnt mit der kontinuierlichen Umsetzung der Haldenabdeckung zur Verringerung des Haldenabwasseranfalls. Die Salzbelastung der Werra geht auf etwa 1.000 mg/l Chlorid zurück, für Kalium gilt der Grenzwert 150 mg/l, für Magnesium 230 mg/l.

Phase 4 (Ende 2060 bis 2075): Werra erreicht Süßwasserqualität
Zu Beginn der Phase 4 im Jahr 2060 wird mit Erschöpfung der Lagerstätten die Kaliproduktion des Werkes Werra eingestellt. Es entstehen keine Produktionsabwässer mehr. Die Abdeckung von 60 Prozent der Haldenfläche wird abgeschlossen sein. Diese Maßnahme senkt das Haldenabwasser auf 1,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr bis spätestens 2075. Diese werden lokal in die Werra eingeleitet. Die Werra erreicht mit Ablauf der Phase 4 Süßwasserqualität: Am Pegel Gerstungen sollen die Grenzwerte 800 mg/l Chlorid, 70 mg/l Kalium und 90 mg/l Magnesium erreicht werden. Die Oberweser-Fernleitung wird außer Betrieb genommen.

„Wir haben in intensiven Verhandlungen eine Gesamtlösung erarbeitet, die vom Unternehmen eine hohe Investitionssumme und die notwendigen Genehmigungsvoraussetzungen einfordert. Der Plan schafft eine verlässliche Perspektive zur Verbesserung der ökologischen Qualität der Flüsse und den Erhalt der Arbeitsplätze in Hessen“ resümierte Umweltministerin Hinz die Bedeutung des Vier-Phasen-Plans zur dauerhaften Salzabwasser-Entsorgung.

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