Memory of the World

Bürgerrechts-Dokument Constitutio Antoniniana ist Weltdokumentenerbe

Feierliche Urkundenverleihung in der Justus-Liebig-Universität Gießen

Wissenschaftsminister Boris Rhein (3.v.r.) nimmt mit Prof. Dr. Mukherjee, Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen (2.v.l.), sowie Vertretern der UNESCO die Urkunde zur Aufnahme der  Constitutio Antoniniana ist Weltdokumentenerbe entgegen.
Bild 1 von 2
Wissenschaftsminister Boris Rhein (3.v.r.) nimmt mit Dr. Peter Reuter, Leiter der Unibibliothek Gießen, Prof. Dr. Mukherjee, Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen, Dietlind Grabe-Bolz, Oberbürgermeisterin von Gießen, Bernhard Abels vom Auswärtigen Amt und Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhardt, dem Vorsitzenden des deutschen Nominierungskomitees (v.l.n.r.), die Urkunde zur Aufnahme der Constitutio Antoniniana ins Weltdokumentenerbe entgegen.
© Rolf K. Wegst

Wissenschaftsminister Boris Rhein hat bei einem Festakt in der Justus-Liebig-Universität zur Aufnahme der Constitutio Antoniniana in das UNESCO-Weltregister „Memory of the World“ gratuliert. Mit der Constitutio Antoniniana verlieh der römische Kaiser Marcus Aurelius Severus Antoninus um 212 nach Christus den freien Bewohnern des römischen Reiches das Bürgerrecht. Das Papyrusstück bewahrt die Universitätsbibliothek in Gießen auf.

Schatz mit weltweiter Bedeutung

Wissenschaftsminister Boris Rhein: „Mit der Constitutio Antoniniana können wir in Hessen einen Schatz mit weltweiter Bedeutung vorweisen: Sie ist das einzige erhaltene Exemplar des Beschlusses, mit dem Kaiser Marcus Aurelius Severus Antoninus erstmals einen einheitlichen Bürgerstatus für Millionen von Menschen unterschiedlicher Kulturen auf drei Kontinenten schuf. Ich bin stolz, dass wir in Hessen ein solches Dokument der Zeitgeschichte zum, Memory of the World‘-Register beisteuern können, und danke allen Beteiligten für die gute Arbeit.“

Dokument garantierte Bürgerrechte

Bevor Kaiser Marcus Aurelius Severus das Dokument verfasste, hatten viele Bewohner den Rang von „Fremden“ inne. Sie waren damit gegenüber den römischen Bürgern im Nachteil; etwa, was den Rechtsstatus im Straf- und Zivilrecht, die Steuerveranlagung und die soziale Mobilität anging.

Mit dem Dokument wurden bestehende Bürgerrechte und lokale Rechtstraditionen weiterhin garantiert. Auch gewachsene juristische und administrative Strukturen wurden nicht zerschlagen, sondern in das römische Imperium integriert. Ein Großteil der öffentlichen Aufgaben stand somit in lokaler oder regionaler Verantwortung. Vor über 1800 Jahren gab es also bereits Vorläufer des heutigen Subsidiaritätsprinzips im föderalen Deutschland oder der Europäischen Union.

Einsatz für Erhalt verbindet Nationen

„Erst vor ein paar Wochen haben wir die offizielle Aufnahme der Verfahrensunterlagen und Tonbandaufnahmen des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses ins Weltdokumentenerbe verkünden dürfen. Nun ist unser Beitrag zum Memory of the World-Register erneut um ein bedeutsames Stück angewachsen. Die Idee des Weltdokumentenerbes verbindet alle Nationen in ihrem Bestreben, sich für den Erhalt wichtiger Dokumente einzusetzen. Diesen Gedanken fördern wir“, betonte Wissenschaftsminister Boris Rhein.

UNESCO-Weltregister „Memory of the World“

Das UNESCO-Weltregister „Memory of the World“ umfasste als weltweites digitales Netzwerk bisher 427 Zeugnisse aus aller Welt, darunter 24 aus Deutschland. Einige davon haben Hessenbezug, unter anderem der Film „Metropolis“ und die Grimm’schen „Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen“. Ziel des Programms ist, dokumentarische Zeugnisse von außergewöhnlichem Wert in Archiven, Bibliotheken und Museen zu sichern und den Menschen zugänglich zu machen.

Kontakt für Pressevertreter

Pressesprecher: 
Christoph Schlein
Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst
+49 611 32 32 30
+49 611 32 32 99
pressestelle@hmwk.hessen.de
Schließen