Vergleichsstudie

Bildungsmonitor: Ergebnisse sind Bestätigung und Ansporn zugleich

18.08.2016Hessisches Kultusministerium

Kultusminister Lorz sieht eine Bestätigung der Schwerpunktsetzung in den Bereichen Ganztagsausbau und Bildungsintegration

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Schüler im Unterricht
© Robert Kneschke / Fotolia.com

Der „Bildungsmonitor 2016“ – eine heute vorgestellte Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag der Initiative Soziale Marktwirtschaft (INSM) – zeigt, dass sich Hessen in der studieneigenen Punkteskala abermals verbessert hat. Lobend hervorgehoben werden insbesondere die Handlungsfelder Inputeffizienz, Förderinfrastruktur und Integration. „Wir freuen uns sehr über das gute Abschneiden und insbesondere über die besondere Hervorhebung unserer Bemühungen im Ganztagsausbau und bei der Bildungsintegration“, erklärte Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz. „Wir sehen in den Ergebnissen auch eine Bestätigung unserer Schwerpunktsetzung bei den Themen Ganztag, Sozialindex, Sprachförderung und Inklusion.“ Das verbesserungsfähige Urteil über die Schulqualität sieht Lorz wiederum als Ansporn, dieses Themenfeld verstärkt in den Fokus zu rücken. Lorz verweist dabei aber auch auf die veraltete Datenbasis dieser Ergebnisse.

Im Dynamik-Ranking auf einem guten vierten Platz

Der relative Rückfall von Platz 8 auf Platz 10 im Gesamtranking der Länder ist nicht auf eine Verschlechterung in der Punktzahl im eigentlichen Sinne zurückzuführen, sondern auf das relative Abschneiden im Ländervergleich. So haben einige wenige Bundesländer aus dem unteren Mittelfeld einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht, was insbesondere auf deren Verbesserungen im Hochschulbereich zurückzuführen ist. Im Dynamik-Ranking liegt Hessen hinter den drei Aufsteigern auf einem guten vierten Platz.

Im Einzelnen hebt die Studie die günstige Altersstruktur der Lehrkräfte hervor sowie den starken Rückgang der Ruhestandseintritte von Lehrkräften durch Dienstunfähigkeit. Im Bereich der Förderinfrastruktur kommt die Studie zum Ergebnis, dass Hessen sowohl bei Ausbaustand als auch bei Teilnehmerquoten im Ganztagsbereich deutlich über dem Schnitt der Länder liegt. Und nicht zuletzt ragt beim Blick auf das Handlungsfeld Integration der schulische Erfolg ausländischer Schülerinnen und Schüler hervor, der deutlich über dem Durchschnitt der Bundesländer liegt. Hier hat Hessen sowohl eine geringe Abbrecher- als auch eine hohe Abiturquote vorzuweisen.

Verbesserungspotenzial im Bereich „Internationalisierung“

Verbesserungspotenzial erkennen die Autoren des Bildungsmonitors im Bereich „Internationalisierung“, bei dem die Studie auf relativ niedrige Quoten von Grundschülern und Berufsschülern mit Fremdsprachenunterricht verweist. Die hessischen Werte (Grundschule: 49,5%, Berufsschule: 25,4%) liegen zwar klar unter dem Schnitt der Länder, können aber immer noch als gut bezeichnet werden. „Nichtsdestotrotz sehen wir hier einen hilfreichen Hinweis, dass der Fremdsprachenunterricht im Primarbereich wie auch an unseren Berufsschulen ausbaufähig ist“, sagte der Kultusminister. „Hessen als stark exportorientiertes Land mit wirtschaftlichen und kulturellen Verflechtungen in die ganze Welt sieht in der internationalen Ausrichtung seiner Bildungsstrukturen durchaus eine wichtige Aufgabe.“

Die „Sonderstudie Flüchtlinge“ fordert für ganz Deutschland eine deutliche Steigerung der Bildungsausgaben aufgrund der Flüchtlingszahlen, die verstärkte Anstrengungen in der Bildungsintegration erforderlich machten. Dabei hat die Studie mit Blick auf Hessen beispielsweise aber noch nicht berücksichtigt, dass allein im Schulbereich im Haushaltsjahr 2016 rund 800 neue Lehrerstellen geschaffen worden sind und der Landeshaushalt 2017 abermals 1.100 zusätzliche neue Lehrerstellen für die schulische Integration der jungen Flüchtlinge und Zuwanderer vorsieht. „Mit dieser deutlichen Stellenausweitung reagiert die Hessische Landesregierung mit einem enormen Kraftakt auf die aktuellen Herausforderungen, sieht darin aber auch eine unabdingbare Reaktion auf die gestiegenen Schülerzahlen“, erläuterte Lorz weiter.

Schulqualität: Bildungsmonitor arbeitet mit veralteten Zahlen, die darüber hinaus auf Ergebnissen aus einer einzigen Studie herrühren

Auch wenn beim Handlungsfeld „Schulqualität“ Hessen laut Studie unterdurchschnittlich abschneidet, fällt doch auf, dass dieses Ergebnis nicht gesondert thematisiert wird. Das mag daran liegen, dass die Studie sich insbesondere in diesem Bereich auf deutlich veraltete Zahlen beruft – so im Sek I-Bereich auf einer Vergleichsstudie 2009/2012 und im Grundschulbereich auf Zahlen aus 2011 und die daher schon mehrfach berichtet wurden. Dessen ungeachtet fließen die Ergebnisse mit einem negativen Effekt in die Gesamtbewertung Hessens ein. Methodisch gesehen muss die Verkürzung des Themas „Schulqualität“ auf Ergebnisse einer einzigen Studie ohnehin kritisch betrachtet werden. Sie ist jedoch dem quantitativ-statistischen Ansatz des Bildungsmonitors geschuldet: die Ländervergleiche sind die einzigen empirischen Datenquellen für Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler nach Ländern.

In den vergangenen Jahren hat Hessen aber bereits kräftig investiert, das Lehrer-Schüler-Verhältnis klar verbessert und sich in vielen Einzelbereichen konzeptionell weiterentwickelt: Das reicht von der Qualität der Ganztagsangebote und -betreuung bis hin zu neuen Ansätzen und verpflichtenden Elementen in der Berufs- und Studienorientierung.

Hintergrund:

Der jährliche erscheinende Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft beschreibt und bewertet die Situation der Bildungssysteme der Länder in 12 Handlungsfeldern (beginnend bei Ausgaben-Priorisierung bis hin zu Forschungsorientierung) mit Hilfe von 93 Indikatoren. Mit Hilfe einer komplexen Metrik werden die Ergebnisse der Indikatoren in den Handlungsfeldern ermittelt und hierarchisch aufsteigend zu Rangplätzen und -listen verdichtet.

Schulische Bildung ist ein wichtiger Bestandteil der betrachteten Bildungsbereiche, jedoch sind die Handlungsfelder oft quer zu den Bildungsbereichen definiert („Internationalisierung“ etwa beinhaltet sowohl Fremdsprachenlernen in der Schule als auch Bildungsausländer an Hochschulen). Daher fließen Veränderungen der auf das Schulsystem bezogenen Indikatoren in das Gesamtergebnis ein ebenso wie  Entwicklungen in anderen Bildungsbereichen (Hochschule, frühkindliche Bildung, Weiterbildung). In denjenigen drei Ländern, die sich 2016 am stärksten verbessert haben (Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Saarland), hat Schule daran nur einen geringen Anteil, was die Rangveränderung Hessens relativiert. Gründe sind vor allem Promotions- und Habilitationsquoten, F&E-Ausgaben, Drittmittel oder Fortbildungsabsolventen.

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