IAB-Betriebspanel

Beschäftigungsdynamik nimmt weiter zu

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Betriebliche Bildung
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Die Zahl der gesuchten Arbeitskräfte sowie der Neueinstellungen in Hessen hat 2015 einen neuen Höchststand seit Beginn der Erhebungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) erreicht.

Erstmals wieder mehr qualifizierte Neueinstellungen

194.000 Arbeitskräfte wurden im 1. Halbjahr 2015 Hessen neu eingestellt: gegenüber 2014 ein Zuwachs von fast 20.000. Etwa die Hälfte der Neueinstellungen entfiel mit 56 Prozent auf die dienstleistungsorientierten Betriebe. Erstmals konnte wieder eine Zunahme an qualifizierten Tätigkeiten bei den Neueinstellungen festgestellt werden. Seit 2009 hatte sich der Anteil der qualifizierten Tätigkeiten rückläufig entwickelt. Dieser Trend wurde 2015 nun unterbrochen.

Zusätzlich zu den Neueinstellungen suchten die Betriebe 2015 rund 80.000 weitere Arbeitskräfte. Dies ist der höchste Wert seit 15 Jahren. Rund 70 Prozent der offenen Stellen kamen von den Dienstleistungsbetrieben. Allein die wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Dienstleistungen hatten einen Anteil von 49 Prozent. Am seltensten wurden Arbeitskräfte in der Öffentlichen Verwaltung (2 Prozent), dem Baugewerbe (5 Prozent) und dem Verarbeitenden Gewerbe (6 Prozent) gesucht.

Vorrangig konzentrierte sich die Nachfrage auf Kleinbetriebe mit 10 bis 49 Beschäftigten (40 Prozent). Der geringste Anteil an offenen Stellen entfiel auf die Großbetriebe (250 und mehr Beschäftigte) mit 10 Prozent. Mehr als drei Viertel der sofort zu besetzenden Stellen entfielen auf qualifizierte Tätigkeiten. Im Vergleich zu 2014 nahm vor allem der Anteil an gesuchten Akademikern zu.

Mehr Stellenwechsel und höhere Einstellungsquote

Im ersten Halbjahr 2015 verließen rund 146.300 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz (+1.100 gegenüber dem Vorjahr). Kündigungen durch den Arbeitnehmer (36 Prozent) und Kündigungen durch den Betrieb (21 Prozent) waren die häufigsten Ursachen für das Ausscheiden aus einem Betrieb.

Im Jahr 2015 lag die Abgangsquote bei 4,8 Prozent, was in etwa dem Niveau der Vorjahre entsprach. Dagegen nahm die Einstellungsquote weiter zu und erreichte einen Höchststand von 6,4 Prozent. Die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt erhöhte sich damit eindeutig.

Aus- und Weiterbildung beeinflussen Beschäftigungsdynamik

Besonders Betriebe die aus- und/oder weiterbildeten verzeichneten niedrigere Einstellungsquoten als Betriebe, die gar keine betriebliche Bildung anboten. Sie konnten eher aus eigenen personellen Ressourcen schöpfen und waren weniger auf extern rekrutiertes Personal angewiesen. Dagegen unterschieden sich die Quoten der Personalabgänge weniger voneinander. Offensichtlich konnten Betriebe, die sowohl Aus- als auch Weiterbildung anboten, ihr Personal am besten binden. Insgesamt zeigen die Befunde, dass ein Zusammenhang zwischen dem betrieblichen Bildungsverhalten und der Beschäftigungsdynamik besteht.

„Die neuen Befragungsergebnisse unterstreichen erneut, welche wichtige Bedeutung die betriebliche Aus- und Weiterbildung für die Sicherung des eigenen Fachkräftebedarfs hat. Die steigende Nachfrage nach qualifizierten Beschäftigten zeigt, dass wir mit unseren verstärkten Ausbildungs- und Qualifizierungsbemühungen auf dem richtigen Weg sind. Langzeitarbeitslosigkeit ist auch eine Folge fehlender Schul- und Berufsabschlüsse. Allein in Hessen hatten über 66 Prozent der Arbeitslosen in den Jobcentern keinen Berufsabschluss und 24 Prozent noch nicht einmal einen Hauptschulabschluss“, so Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen.

Fachkräfte durch Nachqualifizierung sichern

Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir appellierte an die Unternehmen, sich in der Aus- und Weiterbildung zu engagieren „Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Unternehmen, die aus- und weiterbilden, ihre Fachkräfte besser halten können. Gerade die Nachqualifizierung der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist ein wirksames und naheliegendes Mittel, den Fachkräftebedarf zu sichern. Die hessische Landesinitiative ProAbschluss unterstützt die Unternehmen und ihre Beschäftigten dabei mit Beratung und Förderangeboten.“

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) lässt seit 1993 jährlich Betriebe im Rahmen des IAB-Betriebspanels durch TNS Infratest Sozialforschung befragen. Die Auswertung für Hessen erfolgt durch das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur. Finanziert werden die hessischen Zusatzauswertungen durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit sowie den Europäischen Sozialfonds.

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