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Regierungserklärung

70 Jahre Hessen - Kultur stiftet Identität, Verbundenheit und Vielfalt

- Es gilt das gesprochene Wort -

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Archivbild
Wissenschaftsminister Boris Rhein bei der Regierungserklärung zum neuen Hessischen Hochschulpakt.
© wissenschaft.hessen.de

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

auch mit fortschreitender Globalisierung sollten wir unsere Wurzeln nicht vergessen, sondern unsere regionalen Besonderheiten als „Hessen“ erkennen und damit auch künftig unsere Identität wahren. Und was stiftet mehr Identität und Verbundenheit, mit dem Land in dem wir leben, als eine gemeinsame Kultur?!

Lassen Sie mich Ihnen in diesen Tagen – in denen wir gerade den 70. Geburtstag des Landes Hessen gefeiert haben - in Erinnerung rufen, dass wir gemäß unserer hessischen Landesverfassung verpflichtet sind, „die Denkmäler der Kunst, der Geschichte und Kultur sowie die Landschaft“ zu schützen und zu pflegen. Das ist eine eher allgemein gehaltene Formulierung, doch sie mahnt unsere grundsätzliche, rechtlich verankerte kulturpolitische Verantwortung eindeutig an.

Und wir haben in diesem Land wahrhaft großartige kulturelle Schätze und großartige Künstler! Unsere Aufgabe ist es deshalb diese Schätze zu vermitteln und damit den Austausch zwischen allen Nationen, die in unserem Land leben und ein friedliches Zusammenleben zu fördern.

Um möglichst viele junge Menschen anzusprechen, haben wir in Hessen gemeinsam mit Kommunen und privaten Förderern den „Kulturkoffer“ gepackt. In 2016 ist ein erfolgreicher Start gelungen: 28 Projekte sowie der Ausbau vorhandener erfolgreicher Programme der kulturellen Bildungsarbeit sorgen dafür, dass Jugendliche attraktive kulturelle Angebote bekommen. Sie erarbeiten Kulturthemen gemeinsam mit Gleichaltrigen, und das macht Spaß. Kern der Idee ist es, jungen Menschen – gerade auch im ländlichen Raum – mehr Kulturerlebnisse zu verschaffen und insgesamt mehr jungen Menschen die Teilhabe am kulturellen Leben in unserem Land zu ermöglichen.

Ein wichtiger Baustein der kulturellen Bildung ist die Zusammenarbeit zwischen Kulturschaffenden und den Schulen. Wir wollen auch die Theaterarbeit in Schulen weiter fördern. Initiativen wie „Flux – Theater und Schule“ oder auch die etablierten Kooperationen zwischen den allgemeinbildenden Schulen und den Musikschulen sind wichtige Bausteine.

Aber auch unsere hessischen Theater und Museen erfahren eine absolut anerkennenswerte Resonanz. Sie alle wissen, dass wir jährlich mehr Besucher in Museen haben, als in Fußballstadien. Aber wissen Sie auch, dass 2015 rund 745.000 Menschen die drei hessischen Staatstheater besucht haben? Davon sind ein Viertel, also etwa 185.000 Kinder und Jugendliche. Hinzu kamen in den Theatern von Gießen und Marburg weitere knapp 160.000 Besucher. Und damit nicht genug: Mehr als 150.000 Besucher wurden darüber hinaus bei theaterpädagogischen Projekten oder anderen kostenlosen Events der Theater gezählt. Insbesondere die letzte Zahl belegt, wie außerordentlich ernst die Theater ihren Bildungs- und Kunstvermittlungsauftrag nehmen.

Dass die Arbeit der Theater auch inhaltlich mit außerordentlichem Erfolg einhergeht, zeigen die aktuellen langfristigen Verlängerungen der Intendanzen in Wiesbaden und Darmstadt, wie auch die zahlreichen Nominierungen der hessischen Spielstätten für die diesjährigen Theaterpreise.

Keine Frage: Das alles lassen wir uns eine Menge kosten, und das müssen wir auch, wenn wir unseren Anspruch, Bildung über Kultur zu vermitteln, nicht nur auf dem Papier, sondern tatsächlich in der Praxis ernst nehmen wollen.

Meine  Damen und Herren,

Hessen erfreut sich einer stetig wachsenden Bedeutung der Filmbranche. Wir haben uns in den vergangenen Jahren zu einem profilierten Filmstandort entwickelt und das werden wir weiter ausbauen.

Mit der neu gegründeten Hessen Film und Medien GmbH wollen wir unserem Filmland in der Filmförderung ein „neues Gesicht“ geben. Seit Anfang 2016 gibt es nur noch einen zentralen Ansprechpartner für die Filmförderung in Hessen, egal ob kulturelle, wirtschaftliche, Festival- oder Nachwuchsförderung.

Darüber hinaus ist Hessen nun Mitglied in „Focus Germany“, der Dachorganisation der großen regionalen Filmfördereinrichtungen. Filmschaffende erhalten über diese Dachorganisation wichtige Informationen zu den Strukturen der Filmfinanzierung in Deutschland. Ein weiterer Aspekt ist außerdem nicht zu unterschätzen: durch das Netzwerk der Dachorganisation werden wichtige Kontakte zur Branche und zu Dienstleistern hergestellt; angefangen bei der Motivsuche bis hin zur Postproduktion; d.h. zur Frage, wo ein Film produziert wird. Darüber hinaus unterstützt Focus Germany die deutsche Filmindustrie bei großen internationalen Filmfestivals, der Berlinale und dem Festival de Cannes.

Mit der Hessischen Film- und Medienakademie hat das Land außerdem einen national beachteten Schwerpunkt in der Nachwuchsförderung aufgebaut. Zusätzlich möchten wir junge Unternehmer und Filmemacher künftig durch die so genannte „Talentpaketförderung“ aber auch durch eine spezielle Debut- und Zweitfilmförderung besonders unterstützen.

Ich bin überzeugt, dass dem bewegten Bild die Zukunft gehört. Als Träger der B 3 Biennale des bewegten Bildes wurde eine innovative und zukunftsorientierte Referenzveranstaltung entwickelt, mit der wir den interkulturellen Austausch fördern und eine Businessplattform für die hessische Kreativwirtschaft etablieren. Die international ausgerichtete B3 führt der Rhein-Main-Region interessante neue Kontakte, Know-how, neue Projekte und in der Zukunft mögliche Neuansiedlungen von nationalen und internationalen Firmen zu.

In der Medienbranche gilt China als Wachstumsmarkt und als Markt mit neuen frischen Ideen. Es war deshalb nur konsequent, dass die B3 die 2015 begonnene Kooperation mit der China Central Academy of Fine Arts Beijing (CAFA) intensiviert.

Neben der darstellenden Kunst und dem Filmland Hessen spielt vor allem die bildende Kunst und die vielfältigen Schätze der staatlichen Museen eine wichtige Rolle in der Kulturpolitik des Landes.

Ich spreche hier über die drei großen Museen in unseren ehemaligen fürstlichen Residenzstädten Kassel, Darmstadt und Wiesbaden ebenso wie über die Saalburg, den Glauberg und die Zeiteninsel – das dezentrale archäologische Landesmuseum.

Im September 2014 wurde das Hessische Landesmuseum Darmstadt nach siebenjähriger, umfassender Sanierung für rd. 80 Millionen Euro wieder eröffnet. Auf 12.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche wird mit fast 250.000 Exponaten eine der bedeutendsten Universalsammlungen Deutschlands präsentiert. Das Museum zählt zu den großen Häusern der Bundesrepublik und vereinigt fast 20 Sammlungen aus den Bereichen Kunst-, Kultur- und Naturgeschichte. Eine solche Breite an Ausstellungsbereichen macht das Landesmuseum einzigartig unter den bedeutenden Museen Europas.

Aber auch dem Museum Wiesbaden stehen nach vielen Jahren der Bautätigkeit  heute 7.400 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Und lassen sie mich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass wir Kindern und Jugendlichen bereits seit gut zwei Jahren freien Eintritt in die Dauerausstellungen unserer Landesmuseen gewähren und uns damit durchaus als Vorreiter eines möglichst schwellenfreien Zugangs zu Kunst und Kultur sehen. Auch aus diesem Grund haben wir aktuell das Angebot auf Familien in Hessen ausgeweitet, so dass ab sofort mit der Familienkarte Hessen auch für die erwachsenen Begleiter der freie Eintritt in die Sammlungen der Landesmuseen gilt. Dass Nachahmung die höchste Form der Anerkennung ist, erleben wir gerade im Vorhaben der Stadt Frankfurt, in ihren Museen ebenfalls den freien Eintritt für junge Menschen zu gewähren.

Meine Damen und Herren,

die Museumslandschaft Hessen Kassel steht in einer rund 600-jährigen Tradition des Sammelns, Bewahrens und Gestaltens. Das Unvergleichliche ist das Zusammenspiel von hochrangigen Kunst- und Wissenschaftssammlungen und einzigartigen historischen Schloss- und Parkanlagen. Es war eine wegweisende Entscheidung des Landes, dieses Ensemble mit einem Einsatz von 200 Millionen Euro auf einen international konkurrenzfähigen Standard zu bringen und damit eines der größten Kulturinvestitionsprogramme der Bundesrepublik Deutschland zu realisieren.

Dieses Programm trägt Früchte:

Der Grundstein für den Bergfried der Löwenburg wurde Ende Juli 2016 gelegt. Mit der Wiedererrichtung des kriegszerstörten Bergfrieds erhält die Löwenburg ihr Gesicht zurück. Die Gesamtkosten der Sanierung mit Außenanlagen betragen hier rd. 30 Millionen Euro.

Das Landesmuseum in Kassel hat nach acht Jahren baulicher Sanierung und Neukonzeption Ende November seine Tore wieder geöffnet. Allein hier belaufen sich die Gesamtkosten auf rd. 31 Millionen Euro. Das Spektrum der neuen Dauerausstellung reicht von den ersten Jägern und Sammlern über die Epoche der hessischen Landgrafen bis in die jüngste Vergangenheit. Auf drei Etagen lassen die Sammlungen der Vor- und Frühgeschichte, Angewandten Kunst und Volkskunde die Geschichte der Region und ihrer Menschen wiederaufleben.

Daneben entsteht mit dem Neubau des Deutschen Tapetenmuseums in Kassel ein in Deutschland einzigartiger Ausstellungsort für eine Spezialsammlung von Weltgeltung. Hier ist es gelungen, ein Projekt auf den Weg zu bringen, das auch internationale Reputation erlangen wird und – wie das Schaufenster Tapetenmuseum zeigen konnte – auch bereits erlangt. Die rd. 22.000 Stücke historischer Wanddekore bilden eine einzigartige Kollektion. In das Gesamtensemble wird die Historische Torwache einbezogen, in der die authentische Wohnung der Brüder Grimm rekonstruiert werden wird. Die Vorbereitungen für einen  Architektenwettbewerb laufen bereits. Mit Landesmuseum, Torwache, dem Museum für Tapeten und Raumkunst, sowie der Murhard´schen Bibliothek entsteht am Brüder Grimm Platz ein kultureller „hot spot“.

Wo ich gerade bei Kassel bin: Die documenta 2017 wirft ihre Schatten voraus. Sie gilt als größte und weltweit wichtigste Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Jede documenta ist einmalig: Auf der Grundlage des Konzepts des jeweiligen künstlerischen Leiters entwickelt sich die eigentliche Ausstellung über einen längeren, von intensiver Recherche und Diskussionen geprägten Zeitraum. Von hitzigen öffentlichen Debatten begleitet, wird jede documenta zu einem Forum für die Reflexion und Präsentation globaler Entwicklungen in der zeitgenössischen Kunst und Kultur, zu einem Werkzeug, mittels dessen die Kunstgeschichte umgeschrieben und die zeitgenössische Ausstellungspraxis neu definiert werden kann. Die mit rund 5 Millionen Euro vom Land geförderte Weltkunstausstellung wird mit Sicherheit eines der kulturellen Highlights des kommenden Jahres.

Gemäß der von der Stadt Kassel und dem Land Hessen 2015 abgeschlossenen Kooperationsvereinbarung ist die „documenta und Museum Fridericianum gGmbH“ seit 1. Januar 2016 verantwortlich für das documenta Archiv in Kassel. Die finanzielle Ausstattung des Archivs mit einer Million Euro pro Jahr dient dem Ziel, der internationalen Bedeutung dieser einzigartigen Institution gerecht zu werden. Die documenta und ihre Geschichte soll zwischen den alle fünf Jahre stattfindenden Ausstellungen in stärkerem Maße erlebbar sein, indem aus dem Archiv heraus Publikationen, Fachtagungen, Seminare oder kunstpädagogische Angebote und Ausstellungen zur aktuellen Gegenwartskunst entwickelt werden. Mittelfristig verfolgen Stadt und Land das Ziel, das documenta Archiv zu einem eigenständigen, aber mit Hochschulen und anderen Einrichtungen eng kooperierendem Forschungsinstitut weiterzuentwickeln. Nicht zuletzt deswegen wurde mit Mitteln des Landes als Zentrum dieser Forschung eine documenta-Professur eingerichtet.

Mit der Kasseler Kunsthochschule, der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt und nun auch der Frankfurter Städelschule, in deren Finanzierung das Land ab 2016 eingestiegen ist, betreibt Hessen inzwischen

Und das Land investiert weiter: Im Rahmen der Fortschreibung des Hochschulbau-Investitionsprogramms HEUREKA, das aktuell auf Beschluss der Landesregierung mit einer zusätzlichen Milliarde Euro bis zum Jahr 2025 verlängert wurde, setzen wir  nicht nur hochschulpolitische sondern auch kulturpolitische Schwerpunkte: Denn mit dieser Entscheidung wird es möglich, Standortverlagerungen mit Neubauten auf dem Kulturcampus in Frankfurt und am Hafen in Offenbach mit einem Volumen von jeweils 100 Millionen Euro zu realisieren, die eine Ausstrahlung für die kulturelle Bildung und die Kulturlandschaft in Hessen insgesamt haben werden.

Die Idee des Kulturcampus gemeinsam mit der Stadt Frankfurt weiter zu verfolgen, ist ein Ziel dieser Regierungskoalition. Die Entscheidung, insgesamt 100 Millionen Euro für die Verlagerung und einen Neubau der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst bereitzustellen, sollte daher auch eine Initialzündung für den Kulturcampus als kulturell geprägtes Stadtquartier sein.

Auch die Standortverlagerung der Hochschule für Gestaltung in Offenbach (HfG) mit einem durch 100 Mio. Euro aus dem HEUREKA-Programm ermöglichten Neubau am Offenbacher Hafen wird regional, überregional und international ausstrahlen. Angewandte Kunst und Design sind ein selbstverständlicher Teil unseres Kulturverständnisses. Die darauf aufbauende Kreativwirtschaft in Offenbach und Hessen ist ein wichtiger Standort- und Wirtschaftsfaktor.

Aber Kulturpolitik bedeutet nicht nur Entwicklung und Investition in die Zukunft, sondern auch verantwortungsvollen Umgang mit der Vergangenheit.

Wir haben feststellen müssen, dass auch heute – mehr als 70 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs – noch immer in unseren staatlichen Sammlungen Kunstgegenstände deponiert oder ausgestellt sind, die in der Zeit des Nationalsozialismus ihren Eigentümern unrechtmäßig entwendet worden waren.

Wir in Hessen stellen uns unserer Verantwortung, Kulturgüter, die den Verfolgten des Naziregimes entzogen worden sind, zu ermitteln und zurück zu geben. Der Umgang mit Kulturgütern, die im Zusammenhang mit Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus entzogen wurden, ist der Hessischen Landesregierung und mir persönlich ein besonderes Anliegen.

Hessen hat daher seit Januar 2015 die Aktivitäten auf den Gebieten Provenienzforschung und Restitution an einer zentralen Stelle – im Museum Wiesbaden – gebündelt und verstetigt.

Der Umgang mit Raubkunst in Hessen ist damit beispielhaft. Das ist eine wesentliche Voraussetzung, um eine effektive und effiziente Forschung über die Geschichte von mutmaßlich während der NS-Zeit geraubten Kunst- und Kulturgütern zu gewährleisten und so die rechtmäßigen Besitzer bestimmen zu können.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf die Professur zur Geschichte des Holocaust hinweisen, die gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt eingerichtet worden ist. Die Professur, die zugleich die Leitung des Fritz Bauer-Instituts beinhaltet, ist die erste ihrer Art in Deutschland – sie stellt einen Meilenstein in der Forschung dar. Neben der Erforschung des Holocausts sollen von ihr wichtige Impulse ausgehen, um mit Blick auf die Strukturen der NS-Herrschaft gegenwärtige Konflikte, Diskriminierung und Unterdrückung in der Welt besser zu begreifen. Zusammen mit der institutionellen Förderung des Fritz-Bauer-Instituts stehen insgesamt 500.000 Euro aus Landesmitteln zur Verfügung.

Meine Damen und Herren,

das Bundesgesetz zur Neuregelung des Kulturgutschutzrechts ist am 6. August 2016 in Kraft getreten. Kulturgutschutz ist richtig. Dahinter steht die Überzeugung, dass Kunst einen Wert hat und nicht nur einen Preis. Als Spiegel unserer Geschichte und Identität darf Kunst staatliche Förderung, aber auch staatlichen Schutz erwarten. Mit dem neuen Gesetz wird ein wichtiger Beitrag geleistet, um den illegalen Handel mit Kulturgut aus Raubgrabungen zu verhindern. Das ist angesichts der Zerstörung des Weltkulturerbes in Kriegs- und Krisengebieten und der Finanzierung terroristischer Aktivitäten durch den illegalen Handel mit archäologischen Objekten nicht zuletzt ein Gebot unseres Selbstverständnisses als Kulturnation.

Ein Thema, bei dem das Ehrenamt seit vielen Jahren schon gar nicht mehr wegzudenken ist, das ist die Denkmalpflege mit ihren rund 700 Initiativen allein in Hessen. Burgen, Schlösser, Kirchen, Fachwerkhäuser, Altstadt-Ensembles, Parks und archäologische Stätten werden mit Unterstützung von freiwilligen Helfern als „Lernorte“ betreut, an denen wir viel über Geschichte, Handwerk, Lebensumstände und damit über unsere „Wurzeln“ und, um darauf zurückzukommen, über unsere Identität erfahren können.

Die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen betreuen landesweit zurzeit 45 historische Ensembles oder Einzeldenkmäler, sieben Museen in Schlössern oder in ehemaligen Klöstern sowie acht Parks und Gärten mit zusammen rund 650 Hektar Fläche. Dieses reiche historische Erbe ist nicht nur kunstvolles Zeugnis längst vergangener Zeiten. Wir hängen an unserer Geschichte, wollen ihre Zeugnisse erhalten, sie präsentieren und an und von ihnen lernen. So freuen wir uns, mit der Sommerwohnung der deutschen Kaiser im Bad Homburger Schloss nach Abschluss der Sanierung Ende 2018 ein Beispiel lebendiger und aktueller Vermittlung dieser Geschichte geben zu können.

Ein wunderbares, heute schon erlebbares Beispiel hierfür ist das UNESCO-Welterbe Kloster Lorsch. Für rund 14 Millionen Euro wurden in den vergangenen drei Jahren die Klostermauer, die karolingische Torhalle und das romanische Kirchenfragment renoviert – das sind die drei original erhaltenen Teile des ehemaligen Klosters. Aber auch der Archäologische Park Lauresham mit dem Besucher- und Informationszentrum und der Umbau der alten Zehntscheune für die museale Nutzung gehören zu dem Projekt, das vom Land Hessen gemeinsam mit dem Bund und der Stadt Lorsch finanziert worden ist. Damit ist an keinem anderen Ort in Europa die karolingische Zeit in ihrer Vielfalt so erlebbar, wie im neuen Welterbe-Areal. Kloster Lorsch ist sicher ein Musterbeispiel für die vielfältigen Initiativen zur kulturellen Bildung in unserem Land.

In Anbetracht der Vielfalt der kulturellen Aktivitäten in unserem Land konnte ich Ihnen heute nur einen rasterartigen Überblick bieten und längst nicht alle Themen ansprechen, die den einen oder anderen von Ihnen möglicherweise ganz speziell interessieren. Doch schon dieser Überblick zeigt wie herausfordernd es ist, gezielte Förderstrategien für die einzelnen Sparten zu entwickeln und umzusetzen. Wir haben uns deshalb dazu entschlossen, für die hessische Kultur einen so genannten „Masterplan“ zu erarbeiten.

Das ist kein Projekt, das auf die Schnelle zu realisieren ist, wenn wir berücksichtigen, dass zunächst eine umfassende Bestandsaufnahme aller Kulturaktivitäten die Grundlage für das weitere Vorgehen sein wird.

Wir werden intelligente Antworten auf die Frage finden müssen, wie wir Kultur gestalten wollen. Und ein „Masterplan“ gibt möglicherweise auch wichtige Anregungen, wie die Teilhabe aller Bürger am kulturellen Leben unseres Landes gestaltet werden kann und wie insbesondere der ländliche Raum durch ein attraktives Kulturangebot weiterhin liebenswert und lebenswert bleibt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir müssen uns alle im Klaren darüber sein, dass die über Jahrhunderte gewachsene Kultur mit den damit verbundenen reichen Bildungsangeboten immer auch die entscheidende Voraussetzung für wissenschaftlichen Fortschritt, wirtschaftliches Wachstum und den sozialen Standard gewesen ist und dies nach wie vor so bleibt! Lassen Sie uns diese Tatsache im Blick behalten und uns deshalb zum Wohl unserer Gesellschaft gemeinsam für eine großzügige und umfassende Gestaltung der hessischen Kultur einsetzen.

Kontakt für Pressevertreter

Pressesprecher: 
Christoph Schlein
Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst
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