Interview

Umweltministerin Hinz: „Ära der Atomenergie in Hessen endgültig vorbei“

Die Auseinandersetzung mit der Atomkraft hat die Geschichte der Grünen in Deutschland beflügelt. Jetzt wird Grünen-Politikerin Priska Hinz als Hessens Umweltministerin den Rückbau des Atomkraftwerks Biblis überwachen. Im Interview mit dem Wiesbadener Kurier (Ausgabe vom 5. Juli 2014) spricht sie über den Rückbau von Biblis.

HMUELV Kernkraftwerk Biblis

Kernkraftwerk Biblis, Gesamtansicht der Anlage vom gegenüberliegenden Rheinufer (Worms-Ibersheim) aus - © Alexander Hoernigk
Kernkraftwerk Biblis
© Alexander Hoernigk

Frau Hinz, hatten Sie an Demonstrationen gegen Atomkraft teilgenommen?
Ja, sowohl in Hessen als auch an bundesweiten Demos. Es war mir wichtig, ein Zeichen gegen Atomkraft zu setzen.

Welchen Stellenwert hatte aus Ihrer Sicht das Atomkraftwerk Biblis für die Anti-AKW-Bewegung?
Jedes AKW ist eines zu viel und jedes ist auschlaggebend für den Protest gegen die Atomkraft. Für uns Hessen hatte Biblis natürlich eine besondere Rolle gespielt. Zum einen wegen der Auseinandersetzungen zwischen Hessen und dem Bund bezüglich der Weisungen gegenüber den grünen hessischen Umweltministern und zum anderen auch nach dem Beinah-GAU in den 80ern. Das hat die Emotionen und die Entschlossenheit der hessischen Atomkraftgegner sehr bestärkt.

Wie wichtig war die Anti- AKW-Bewegung für die Entstehung der Grünen und für Ihr politisches Engagement?
Die Anti-Atompolitik war ein Kerngedanke der Grünen seit ihrer Geburtsstunde. Über die Jahre wurde der Gedanke noch wesentlich erweitert um die Forderung nach einer Energiewende hin zum Einsatz erneuerbarer Energien. Aber für mich war die Anti-Atompolitik ganz klar auch ein persönliches Anliegen, wenngleich der Auslöser für meinen Parteieintritt bei den Grünen der Bau der Startbahn West am Frankfurter Flughafen war.

Sehen Sie sich durch den Beschluss der Bundesregierung, 2022 aus der Atomkraft auszustellen, bestätigt?
Ja. Es war schon falsch, den Ausstiegsbeschluss von Rot-Grün aus dem Jahr 2002 zurückzunehmen. Biblis wäre schon früher stillgelegt worden und wir befänden uns bereits beim Rückbau. Hätte der Bund sich früher auf die dringend notwendige Energiewende konzentriert und an ihr gearbeitet, dann wären wir hier heute schon ein bedeutendes Stück weiter.

Was bedeutet für Sie der Rückbau des AKW Biblis?
Damit ist die Ära der Atomenergie in Hessen endgültig vorbei. Mögliche Gefahren aus dem Betrieb ebenfalls. Jetzt gilt es, sich der Herausforderung einer Suche nach einem Endlager in der Bundesrepublik zu stellen. Als Mitglied der Endlagersuchkommission werde ich mich an dieser Suche auch engagiert beteiligen.

Das Interview führte Christoph Cuntz

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