Interview

"Chancen für kleinere Betriebe"

Umweltministerin Priska Hinz im Gespräch mit der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen (Ausgabe vom 18. Juni 2014)

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Umweltministerin Priska Hinz
© HMUKLV

Frau Hinz, Sie haben die Erdbeer- und die Spargelsaison eröffnet, Birnbäume gepflanzt und Waldlehrpfade eingeweiht. Haben Sie sich Ihr Ministeramt so vorgestellt?
Hinz: Ja. Das war mir klar. Mir gefällt das auch, denn ich komme mit ganz unterschiedlichen Menschen und Zielgruppen meiner Politik ins Gespräch.

Sie wollen die Biobauern fördern, Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) betont, mit ihm werde es keine Agrarwende geben. Ein Widerspruch?
Hinz: Nein, das Wort Agrarwende kommt im Koalitionsvertrag auch nicht vor. Wir wollen den Ausbau der ökologischen Landwirtschaft, finden die konventionelle aber gleichermaßen wichtig. Mit dieser Haltung bin ich bei den Landwirten in Hessen bisher gut angekommen.

Die FDP hat Ihnen „Bauernhofromantik“ vorgeworfen, weil sie die Marktgesetze nicht beachteten. Ist ihr Blick aufs Landleben zu idyllisch?
Hinz: Der FDP-Vorwurf ist Quatsch. Jeder Landwirt muss heute im Markt bestehen, da ist nichts idyllisch, das ist knallharter Wettbewerb. Wir wollen, dass auch kleinere Betriebe eine Chance haben, mitzuhalten und deshalb wollen wir ihre gesellschaftlich notwendige Arbeit zur Erhaltung der Natur honorieren.

Was tun Sie, um die Bauern beim Verzicht auf Gentechnik im Saatgut zu unterstützen?
Hinz: Wir testen den Anbau eiweißhaltiger Pflanzen. Das kann den Bauern helfen, auf importiertes und möglicherweise GVO-kontaminiertes Futtermittel zu verzichten.

Der Wald soll künftig nach noch strengeren Nachhaltigkeits- Kriterien (FSC-Standard) bewirtschaftet werden als bisher, warum?
Hinz: Weil der Wald nicht nur ein wirtschaftliches Gut ist, sondern auch für den Erholungswert und die biologische Vielfalt wichtig ist. Viele Bürger legen sehr viel Wert darauf und registrieren genau, was in den Wäldern passiert.

Bleibt die Wirtschaftlichkeit auf der Strecke, wenn Sie Nadelhölzer zurückdrängen?
Hinz: FSC bedeutet ja nicht, dass man nicht mehr einschlägt oder keine Fichten und Douglasien mehr pflanzt. Wirtschaftlichkeit spielt natürlich eine Rolle und man braucht auch unterschiedliche Baumarten für unterschiedliche Nutzungen. Wie hoch die Nadel- und Laubbaumanteile künftig sein werden, wird jetzt debattiert und ist in jedem Forstamt unterschiedlich.

Was wollen Sie als Wohnungsbauministerin tun, um den Klimaschutz zu fördern?
Hinz: Wir unterstützen Investoren und Wohnungsbaugesellschaften bei der energetischen Sanierung. Aber da muss mehr geschehen, auch über steuerliche Förderung.

Das haben vor allem die Länder abgelehnt.
Hinz: Ja, weil sie den Einnahmeverzicht zu 50 Prozent tragen sollten. Der Bund müsste mehr tun, er muss seine Klimaziele ja auch erfüllen.

Wie weit ist die Einigung über Castoren-Zwischenlager?
Hinz: Da gibt es nichts Neues in den Verhandlungen mit dem Bund. Dabei müsste eigentlich schnell entschieden werden. Die ersten Castoren sollen schon 2015 kommen. Wir sind bereit, sie in Biblis zwischenzulagern, wenn sachliche Gründe dafür sprechen.

Das Interview führte Petra Wettlaufer-Pohl

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