70 Jahre Luftbrücke | Informationsportal Hessen
20. Jahrhundert

70 Jahre Luftbrücke

Rosinenbomber
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© Archiv John Provan, Kelkheim

Berlinblockade 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949

Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus und der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 teilten die Besatzungsmächte Deutschland in vier Zonen und ebenso die ehemalige Hauptstadt Berlin in vier Sektoren auf: einen amerikanischen, britischen, französischen und sowjetischen. Dabei gingen die Vorstellungen über die Zukunft Deutschlands weit auseinander und spiegelten – aus heutiger Sicht – den gesamten Ost-West-Konflikt nach dem Zweiten Weltkrieg. Insbesondere die sowjetische Blockade Westberlins anlässlich der Währungsreform der Westalliierten wurde zu einer Herausforderung, allen voran für die betroffene, in der zerbombten Stadt notleidende Bevölkerung.
Die Währungssituation im Nachkriegsdeutschland war prekär, die Reichsmark verlor stetig an Wert wie an Akzeptanz. Doch die vier Besatzungsmächte konnten sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen – wie die Einführung einer zentralen Finanzverwaltung für alle vier Zonen – einigen. So verständigten sich die Westalliierten auf eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit und eine Währungsreform ohne Einbeziehung der sowjetischen Besatzungszone. Bereits im Frühjahr 1948 barg die ehemalige Frankfurter Reichsbankhauptstelle neue, in den USA gedruckte Geldnoten, die am 22. Juni 1948 im Westen als neue D-Mark eingeführt wurden. Die Sowjetische Militäradministration antwortete mit einem Geldumtausch in DM-Ost (zunächst in die sogenannte Klebe-Mark), um zu verhindern, dass wertlose Reichsmarkbestände in ihrer Zone eine plötzliche Inflation verursachten. Als Sanktion gegenüber den Westalliierten stoppte sie ab dem 24. Juni 1948 den Güter- und Personenverkehr nach Westberlin, stellte die Stromversorgung ein, blockierte Autobahnen und Schienen, kontrollierte Fluss- und Kanalwege. Die Enklave Westberlin innerhalb der Sowjetischen Besatzungszone war abgeschnitten von Energie- und Lebensmittelversorgung.

Luftbrücke Berlin

Ende 1945 waren den westlichen Stadtkommandanten Berlins drei 20 Meilen breite Luftkorridore zwischen ihren Sektoren und den westlichen Besatzungszonen zur freien Benutzung zugesichert worden. Hierin sahen die Westmächte, erstmals kurz im April, dann im Juni 1948, eine geeignete Voraussetzung, um die abgeschottete Stadt zu versorgen: Über den nordwestlichen Korridor aus Richtung Hamburg sowie den südwestlichen aus Richtung Frankfurt am Main sollten die Güter (insbesondere Lebensmittel und Kohle) hineingebracht werden, während der westliche Korridor Richtung Hannover allein für die Rückflüge genutzt werden sollte.

Und so begann die große Hilfsaktion des Berlin Airlift: Am 25. Juni 1948 beschloss der Militärgouverneur der US-amerikanischen Zone, General Lucius D. Clay, in Absprache mit Briten und Franzosen und dem amtierenden Bürgermeister von Berlin, Ernst Reuter, die Versorgung der 2,2 Millionen Menschen in West-Berlin per Luftbrücke. Am 26. Juni 1948 flogen die ersten Maschinen der US-amerikanischen Luftwaffe von der Rhein-Main-Airbase Frankfurt und vom Flugplatz Wiesbaden-Erbenheim zum Flughafen Tempelhof in Berlin und starteten damit die Operation Vittles (Operation Proviant). Kurz darauf schloss sich die britische Luftwaffe den Hilfsaktionen an.

Bis zur Einstellung der Luftbrücke am 30. September 1949 wurden über 270.000 Flüge gezählt mit über 2 Millionen Tonnen Luftfracht. Mit den Rückflügen, aus Berlin heraus, wurden viele Tausend – meist Kinder und ältere Menschen – evakuiert.
Als „Rosinenbomber“ waren knapp 20 verschiedene Flugzeugtypen im Einsatz, die Kosten der Luftbrücke betrugen mehr als 200 Millionen Dollar allein für Amerikaner und Briten. Mehr als 80 Tote durch Unfälle in der Luft und am Boden waren zu beklagen.

Gail S. Halvorsen und sein „Candy Bomber“

Der amerikanische Pilot der United States Air Force, Gail Seymour Halvorsen, war der erste Pilot, der bei seinen Transportflügen nach Berlin auch den dort wartenden Kindern eine Freude bereiten wollte und für sie Süßigkeiten abwarf, die er an kleinen, aus Taschentüchern gebastelten, Fallschirmen befestigte. Diese Aktion brachte den Flugzeugen den Namen Rosinenbomber (Candy Bomber) ein und ihm, da er, als vereinbartes Zeichen für die Kinder, dass er im Anflug war, mit den Tragflächen „wackelte“, den Namen Onkel Wackelflügel. Dieser Aktion schlossen sich weitere Piloten an und ihr Abwurf von Süßigkeiten für die an Mangel gewöhnten Kinder im kriegszerstörten Berlin wurde von der Presse gerne aufgegriffen. Halvorsens Idee und die Rosinenbomber prägten das Bild von den amerikanischen Besatzern im Nachkriegsdeutschland maßgeblich positiv.  

Das Wiesbadener Hauptquartier der Berliner Luftbrücke

Lieutenant General William H. Tunner, stellvertretender Kommandeur für Lufttransporte, wurde von der USAFE mit der Leitung der Luftbrücke betraut und bezog im Juli 1948 sein Hauptquartier in der Taunusstrasse 11 in Wiesbaden.

Die Gedenktafel an der Fassade erinnert in die Zeit, in der von diesem Haus aus eine immense logistische Organisation erfolgte.

Eine besondere Beziehung und die Verpflichtung wechselseitiger Solidarität zwischen Amerikanern und Hessen ist geblieben. An den legendären Radiosender AFN, heute ansässig auf dem Gelände der Wiesbadener Lucius-Clay-Kaserne, dem Hauptquartier der US-Landstreitkräfte Europa, knüpfen sich die Erinnerungen einer ganzen Generation. Vereine wie „Luftbrücke Chapter“ oder die „Frankfurt-Philadelphia-Gesellschaft“ halten die gewachsenen Partnerschaften lebendig. Eine Aufgabe die immer wichtiger wird, je weniger Zeitzeugen noch berichten können.

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