70 Jahre Hessen

1965 bis 1974

Der hesssiche Generalstaatsanwalt Fritz Bauer
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Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer
© Heide Mergen

Bereits zwei Jahre nach dem US-Präsidenten besuchte ein weiteres Staatsoberhaupt Hessen: Im Mai 1965 kam Queen Elizabeth II. mit ihrem Ehemann Prinz Philipp nach Deutschland. Bei ihrem ersten Staatsbesuch bereiste die Königin Städte wie Bonn, München, Stuttgart, Berlin, Hannover und Hamburg und machte auch in Wiesbaden Station. Ein halbes Jahrhundert später besuchte sie Hessen erneut.

Aufarbeitung der NS-Verbrechen: Der Auschwitz-Prozess

Am 19. August 1965 ging am Landgericht in Frankfurt am Main der Auschwitz-Prozess zu Ende. Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer hatte den Prozess gegen große Widerstände ermöglicht und sich am Bundesgerichtshof dafür eingesetzt, dass das Verfahren dem Landgericht in Frankfurt an Main übertragen wurde. Am 20. Dezember 1963 war der Prozess gegen 22 Angeklagte eröffnet worden, die sich für ihre Beteiligung am Mord an Millionen Juden in Auschwitz verantworten sollten. Mehr als 350 Zeugen wurden im Verlauf des 20-monatigen Prozesses gehört, unter ihnen 211 Überlebende des Vernichtungslagers. Am 19. August 1965 endete der Auschwitz-Prozess im Frankfurter Gallus-Gebäude mit der Verkündung der Urteile und Haftstrafen für 17 Angeklagte. Der Prozess gilt als Wendepunkt für die Aufarbeitung der Verbrechen der Nationalsozialisten in Deutschland.

In den 60er Jahren boomte die Wirtschaft in Hessen. Große Unternehmen siedelten sich vor allem im Rhein-Main-Gebiet an. So auch das Europäische Raumflugkontrollzentrum (kurz: ESOC, European Space Operations Centre), welches am 8. September 1967 in Darmstadt eröffnet wurde. Von Südhessen aus werden seitdem die Weltraumprojekte der Europäischen Weltraumorganisation ESA (European Space Agency) kontrolliert.

Die Studentenbewegung der 1960er wendete sich gegen die nicht aufgearbeiteten Verbrechen im Nationalsozialismus und den Vietnamkrieg, gegen die verkrusteten gesellschaftlichen Strukturen, die in ihren Augen rigide Sexualmoral sowie gegen die relative Bedeutungslosigkeit der parlamentarischen Opposition gegenüber der großen Koalition unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger. Eines ihrer intellektuellen Zentren war das Frankfurter Institut für Sozialforschung (IfS). Schon in der Weimarer Republik hatten Denker wie Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, Herbert Marcuse, Walter Benjamin und Erich Fromm hier den Grundstein der Kritischen Theorie gelegt, die für Programm und Weltsicht der Protestbewegung entscheidend wurde. In der 68er-Bewegung wurde das Institut zu einem wichtigen Forum. Viele der Aktivisten studierten bei Horkheimer, Adorno und Habermas in Frankfurt.

Am 3. Oktober 1969 legte Ministerpräsident Georg August Zinn nach einem Schlaganfall sein Amt nieder. Seit 1950 hatte er Hessen regiert und insbesondere durch die „Hessenpläne“ großes Ansehen erlangt. Diese strukturpolitischen Maßnahmen gelten bis heute als Meilensteine und wichtige Impulse für die Entwicklung des Landes und die Integration von Vertriebenen und Flüchtlingen in Hessen. Sein Nachfolger wurde Albert Osswald, der bis zu seinem Rücktritt 1976 Hessischer Ministerpräsident blieb.

Frankfurter Flughafen eröffnet erstes Terminal

Das heutige Terminal 1 des Frankfurter Flughafens wurde im Jahr 1972 fertig gestellt. Die Passagierzahlen hatten sich seit den 60er Jahren fast vervierfacht und betrugen 1970 bereits 9,4 Millionen Fluggäste pro Jahr. Das Projekt wurde nach siebenjähriger Bauzeit im März 1972 von Ministerpräsident Albert Osswald und Bundespräsident Gustav Heinemann eröffnet und sollte die Abfertigung von 30 Millionen Passagieren ermöglichen. Damit war ein wichtiger Schritt für den Aufstieg zur europäischen und internationalen Drehscheibe getan.

1974 wurde das Freilichtmuseum Hessenpark in Neu Anspach gegründet. Ziel war es, den Besucherinnen und Besuchern die hessischen Bräuche, die Landwirtschaft und historische Architektur des Landes nahezubringen. Bis heute präsentiert das Freilichtmuseum die ländliche Kulturgeschichte Hessens auf lebendige Art und Weise.

27. Oktober 1974: Bei den Landtagswahlen zum 8. Hessischen Landtag errang die CDU unter der Führung von Alfred Dregger die relative Mehrheit. Die SPD bildete aber eine Koalition mit der FDP und blieb damit Regierungspartei unter Ministerpräsident Osswald.