Jacob und Wilhelm Grimm

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Die Brüder Jacob und  Wilhelm Grimm
© Gemeinfrei

Berühmt geworden sind sie als die deutschen Märchensammler, geleistet haben sie aber noch viel mehr. Das Licht der Welt erblickten die beiden ungewöhnlichen Brüder in Hanau: am 4. Januar 1785 wurde Jacob Grimm geboren, am 24. Februar 1786 sein Bruder Wilhelm. Noch vier weitere Geschwister folgten, von denen sich Ludwig Emil als Maler und Porträtist einen Namen machen sollte. Die Familie zog schon bald nach Steinau, wo der Vater Amtmann in hessen-kasselischen Diensten wurde. Nach dem frühen Tod des Familienoberhaupts gingen Jacob und Wilhelm zur weiteren Ausbildung nach Kassel und schließlich – mit Sondergenehmigung – zum Studium nach Marburg.

Unzertrennliche Brüder

Schon damals schrieb Jacob an seinen Bruder Wilhelm: „Wir wollen uns einmal nie trennen, und gesetzt, man wollte einen anderswohin tun, so müßte der andere gleich aufsagen. Wir sind nun diese Gemeinschaft so gewohnt, dass mich schon das Vereinzeln zum Tode betrüben könnte.“ Zusammen wollten sie bleiben. Und sie blieben es. So gingen sie gemeinsam nach Kassel in den Dienst des von Napoleons Gnaden eingesetzten Königs Jérôme. Dort erschien ihr erstes Märchenbuch. In der ersten Sammlung stammen von 86 Märchen 74 aus Hessen und in der zweiten von 70 noch 34. Die „Gewährsleute“ der Grimms waren vor allem die Gastwirtstochter Dorothea Viehmann, der Dragonerwachtmeister Friedrich Krause, die Familie Hassenpflug mit Marie an der Spitze und die Familie von Haxthausen. Über die aus dem Dorf Niederzwehren bei Kassel stammende „Viehmännin“ schrieben die Grimms im Vorwort zur zweiten Auflage ihrer Märchen, sie habe die „meisten und schönsten Märchen des zweiten Bandes“ erzählt. „Dabei erzählte sie bedächtig, sicher und ungemein lebendig, mit eigenem Wohlgefallen daran, erst ganz frei, dann, wenn man es wollte, noch einmal langsam, so dass man ihr mit einiger Übung nachschreiben konnte.“

Ausschmücken von mündlichen Überlieferungen

Mittlerweile hat die sehr rührige Grimm-Forschung herausgefunden, dass viele der Texte hugenottischen Ursprungs sind, aber das schmälert den Wert der Märchensammlung nicht. Denn Jacob und Wilhelm Grimm ging es nicht um äußerste Genauigkeit. Sie haben das, was ihnen erzählt wurde, ausgeschmückt und mit eigenen Erfahrungen sowie Empfindungen versehen. Besonders Wilhelm tat sich dabei hervor. Nicht wenige Schilderungen erinnern an hessische Landschaften, manchmal sogar so deutlich, dass sich schon früh Märchenbegeisterte auf den Weg gemacht haben, um die ‚authentischen‘ Orte zu suchen – von dem ‚Dornröschenschloss‘, der Sababurg, bis zum ‚Frau Holle-Teich‘ auf dem Meißner. Wie hessisch die Märchen der Grimms nun wirklich sind, ist letztlich eine müßige Frage. Der Schriftsteller Dieter Hildebrandt meint in seinem Grimm-Porträt, sie seien es erst „durch das Genie der Brüder, besonders Wilhelms, geworden“, durch „die Gabe, sie neu zu erzählen, mit einer sanften Lakonik, ohne Furcht vor Gruseleffekten und sozialer Härte, unerschrocken aber auch an Wunder glaubend und sie glauben machend, vor allem aber voller Vertrauen an die Zeiten, ‚als Wünschen noch geholfen hat‘“.

Werk der Brüder erscheint in über einhundert Sprachen

Den Brüdern brachten die Sammlungen Ruhm und eine Anstellung in Göttingen. Als in der deutschen Geistesgeschichte einmaliges Duo beschäftigten sie sich mit dem Minnesang und deutscher Mythologie, mit Sprachgeschichte und Grammatik. Aber weltabgewandte Forscher sind sie dabei nicht geworden. Als der König von Hannover (dessen Herrschaft auch Göttingen einschloss) 1837 den Eid auf die Verfassung verweigerte, protestierten die Grimms zusammen mit fünf anderen Professoren als ‚Göttinger Sieben‘ dagegen und mussten die Universität verlassen. Sie gingen nach Berlin, wo sie ihr größtes Werk in Angriff nahmen, ihr Wörterbuch, das erst 1961 abgeschlossen werden sollte. Die Grimms sind darüber gestorben: Wilhelm am 16. Dezember 1859 und Jacob am 20. September 1863. Heute sind die Brüder Grimm die meistübersetzten deutschen Dichter. Ihr Werk erscheint in über einhundert Sprachen, und ihr persönliches Handexemplar der Kinder- und Hausmärchen zählt seit 2005 zum Weltdokumentenerbe der UNESCO.