Mit zunehmender Verbesserung der Wasserqualität in Richtung der angestrebten Güteklasse II wurde bundesweit deutlich, dass sich der gewässerökologische Zustand nicht in gleichem Maße wie die Wasserqualität erholt. Als Ursachen hierfür wurden insbesondere Defizite im Bereich der Morphologie identifiziert. Die Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) hat deshalb eine Methode zur Bewertung der morphologischen Beschaffenheit (Gewässerstrukturgüte) entwickelt. Mit dem Verfahren kann der Natürlichkeitsgrad von Gewässern, Ufern und Auen sowie das Ausmaß des Uferverbaus und der Überschwemmungsfähigkeit erfasst werden.
Als erstes Bundesland hat Hessen 1995 mit der detaillierten, flächendeckenden Gewässerstrukturgütekartierung aller Gewässer begonnen. Insgesamt wurde die strukturelle Beschaffenheit von rund 23.000 km Fließgewässer erfasst. Hierbei wurden in 100-Meter-Abschnitten jeweils 25 Einzelparameter vor Ort kartiert und anschließend bewertet. Die Gewässerstrukturgütekartierung wurde 1998 mit der Vorstellung der ersten Gewässerstrukturgütekarte Hessen" abgeschlossen. Die Ergebnisse zeigen, dass rd. 80 % der hessischen Fließgewässer deutlich veränderte" bis vollständig veränderte" Strukturen aufweisen. Wie die Gütekarte soll auch die Strukturgütekarte vorhandene Defizite und erreichte Fortschritte bei der Wiederherstellung ökologisch intakter Gewässer dokumentieren. Die für die Gewässerunterhaltung zuständigen Kommunen haben zusätzlich Defizitkarten, aus denen sie relevante Schadstrukturen direkt als Piktogramme entnehmen können, erhalten.
Bäche, Flüsse und Auen gehören zu den reichsten ökologischen Elementen der Natur. Stand bisher vor allem die Wasserqualität im Vordergrund, so werden künftig auch andere Einflüsse des Menschen auf die Gewässer zu berücksichtigen sein. Hierbei spielt die Qualität der Lebensräume im und am Gewässer (Stichwort: Gewässerstrukturgüte") eine besondere Rolle. Nach der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union soll von der Quelle bis zur Mündung eines Gewässers ein guter ökologischer Zustand" erreicht werden. Dabei kommt der Gewässerstruktur eine wichtige Rolle zu. Bundesweit wurde daher eine Bewertung der Gewässerstrukturen nach einheitlichen Grundsätzen vorgenommen. Das Land Hessen hat als erstes Bundesland die Gewässerstrukturgüte flächendeckend erhoben und die Ergebnisse in 2000 veröffentlicht.
Mehr als 23.000 Kilometer Fliessgewässer wurden von den Quellen bis zu den Strömen untersucht. Neben naturnahen Abschnitten finden sich auch zahlreiche Strecken, die durch den Menschen stark überformt wurden. So wurden z.B. Bäche begradigt, Ufer verbaut, Ufergehölze beseitigt und Feuchtgebiete trockengelegt.
Aufbauend auf diesen Ergebnissen startete das Land Hessen nach der erfolgreichen 1. Gewässerschutzinitiative zur Verbesserung der Gewässergüte nun eine 2. Gewässerschutzinitiative: Das Ziel der kommenden Jahrzehnte wird sein, die Strukturgüte der Bäche und Flüsse in Hessen nachhaltig zu verbessern.
Dies ist nur durch eine enge Zusammenarbeit der Behörden und Unterhaltungspflichtigen mit den Menschen vor Ort, der Land- und Forstwirtschaft, den Naturschutzverbänden etc. möglich. Mit dieser Kartierung leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie und der AGENDA 21.